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Christopher Just: Der Moddetektiv.

Leseproben:

Der Moddetektiv bockte den Roller auf und entledigte sich sämtlicher Kleidung, um seinen splitternackten Leib den träge glucksend dahinwabernden Fluten des Wasserlaufs anzuvertrauen. Krambambo, der ihm langsam gefolgt war, zog es vor, Anzug und fleckigen Trenchcoat weiterhin anbehaltend, auf einem Stein am Gestade Platz zu nehmen. "Kommen Sie, Inspector, es ist herrlich!", rief ihm der fröhlich umherkraulende Moddetektiv zu. doch dem Inspector war, wie sonst auch, nicht sonderlich nach Schwimmen, da er es nicht gut konnte. Hinlänglich erquickt und auch gedanklich erfrischt, gesellte sich der nun in den fein gefütterten Parka gehüllte Moddetektiv zu Krambambo auf den Stein, und sie ließen wortlos den dunklen Strom an sich vorüber- und den wärmenden Whisky in sich hineinfließen.
Der Moddetektiv blickte in den Himmel.
Zwischen zwei Wolkengebilden sah er einen Stern.
Der Stern war eine Sonne, die von Himmelskörpern umrundet wurde.
Manche der Himmelskörper waren Planeten.
War Leben auf einem dieser Planeten?
Wenn ja - gab es auch dort Mods?
Und - fuhren diese Mods auf Vespas umher?
Oder waren sie auf Puch Maxis angewiesen und trugen Turbane statt Helme?
Hatten sie zehn Arme und nur ein Bein - oder vierzig Busen?
Oder waren sie nur stinknormale Menschen, deren einer ihm aufs Haar glich und ebenfalls Detektiv war...
Und hatte genau dieser in ebendemselben Augenblick einen Krambambo neben sich sitzen, blickte gleichfalls in den Sternenhimmel und fragte sich genau jetzt, ob es da oben einen zweiten Moddetektiv gab, der ebenso wie er selbst einen Freund verloren hatte?
Er wusste es nicht.

(S.240 f.)


****

Hoden, ein öliger Anwalt, der prinzipiell nur Klienten vertrat, deren Verteidigung fette Schlagzeilen garantierte, war ihm noch ein ganzes Skrotum voller Gefallen schuldig. Er hatte dem aalglatten Advokaten schon einige Male nicht ganz uneigennützig den einen oder anderen Tipp zukommen lassen, die dieser dann bei seinen überspitzten und vor Polemik triefenden Plädoyers - Abrakadabra! - als Ass aus dem Ärmel zu zaubern verstand, worauf so gut wie alle seiner miesen Mandanten den Gerichtssaal fröhlich beschwingt als rechtmäßig unverurteilte und freie Bürger verließen.
Er traf den räudigen Rechtsberater ausgerechnet in einer Bar 1st Avenue / Tiger Street, die in den frühen, unbeschwerten Tagen seiner Liaison jener geheime Ort gewesen war, an welchen die dazumal noch Liebenden oftmals geflohen waren, um - die Hand des jeweils anderen fest umklammernd - sich so mancher Träumerei zu überlassen, und der nun zur Stätte der Besiegelung von Bettys Schicksal werden sollte.

(S.281)

© 2017 Milena Verlag, Wien

 

 

 

 

 

 

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