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Isabella Feimer: stella maris.


Leseprobe:

All die Bilder, als wäre meine Geschichte in ihnen konserviert, bewegen sich sprunghaft von einer Wand zur nächsten, auch mit meiner Fantasie bemale ich mir kahle Stellen, ich wünschte, sie könnte grenzenlos sein, Haken schlägt sie, tupft in einen Topf mit weißer Farbe, dann in einen Topf mit schwarzer, malt sich ein Schachbrett, die Figuren, schiebt sie über das Brett, alles verwischt, ist eins und fern jeglicher Struktur, wenn Strukturen schwinden, sagte ich, beginnt der
Widerstand,
wenn der Widerstand beginnt, sagte Luigi, hast du
deine Grenzen überschritten,
weit, sagte ich, lasse ich mit mir gehen,
Lugi lächelte, kaltes Lächeln, ich hätte es wissen sollen, seine Hand immer noch in meinem Schritt, stieß in mich, stieß schmerzhaft tief,
Grenze, sagte er, ist ein Wort, das du jeden Tag neu denken musst,
ich lasse mich nicht blenden, sagte ich,
er nahm seine Hand aus mir, legte sie auf seinen Schoß und lehnte sich zurück, sagte, vielleicht blicke ich in einen Spiegel, wenn ich dich ansehe, vielleicht täuschst du mich, vielleicht bist du es, die mich verblendet, mich verhexen will mit ihrer Hingabe, mit diesem Wunsch, sich hingeben zu wollen,
vielleicht, sagte ich, vielleicht,
Trotz hatte sich in meine Stimme verirrt, den ich augenblicklich bedauerte,
auch das Bedauern ist eine Lüge, sagte er, blickte in seinen Raum, kleiner war er geworden, er mit ihm verschmolzen,
aber das Bedauern, wenn es lügt,
er hielt inne,
ist Poesie,
ich musste lachen, konnte nicht anders, auch Luigi lachte, sagte im Lachen, du wirst sehen, so ist es, Lüge ist Poesie und Poesie ist Lüge, und Bedauern spielt einfach mit, nicht geladener Festtagsgast,
im düsteren Theater all unserer Leidenschaften, sagte ich,
der Vorhang fällt, sagte er,
kein letzter Satz, sagte ich,
nein, kein letzter Satz.

(S. 101, 102)

© 2017 Braumüller Verlag, Wien

 

 

 

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