logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Lesen X.0. Rezeptionsprozesse in der digitalen Gegenwart.

Hrsg.: Sebastian Böck,  Julian Ingelmann, Kai Matuszkiewicz, Friederike Schruhl. 
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2017.
(Digilit; Literatur und Literaturvermittlung im Zeitalter der Digitalisierung. 1).
304 S.; geb.; m. Abb.; EUR 45.- .
ISBN 978-3-8471-0745-3.

Der Großteil der 14 Beiträge des vorliegenden Bandes geht auf die Tagung "#Lesen. Transformationen traditioneller Rezeptionsprozesse im digitalen Zeitalter", die im Herbst 2016 an der Georg-August-Universität Göttingen stattfand, zurück. Sie beleuchten viele Aspekte neu oder erstmals, die sich aus den technologischen Innovationen ergeben. Nicht selten eilen diese Entwicklungen ja im Praktischen voran, allfällige Reflexionen über Folgekosten und sich daraus ergebende Fragestellungen hinken hintenach und verursachen dann nicht selten ein basses Staunen über Dimensionen und Bandbreite der Auswirkungen.

Martin Stobbe erhebt in seinem Beitrag die wohlbegründete Forderung, dass bei Beschäftigung mit digitaler Literatur die Lektüre des Quellcodes eine wichtige Voraussetzung darstellt, um die dort festgelegten Vorentscheidungen und Einschränkungen nachvollziehen zu können, und das beginnt schon bei digitalen Erfassungssystemen. Die digitalen Bedingungen verändern nicht nur die Lesegewohnheiten, sondern auch die Anforderungen an die Analysemethoden, um in die Struktur der jeweils vorgegebenen "Datenkorsette" (S. 61) einzudringen.

Peter Scheinpflug unternimmt eine erste Besichtigung der AR-Erweiterungen in Texten mit dem Titel "Augmented reading. Lesen als multimediale Praktik im Digitalzeitalter": Der US-amerikanische Verlag Marvel bietet seit 2012 seinen Comic-Lesern AR-Erweiterungen an, die nicht nur "habitualisierte Lesepraktiken" (S. 79) verändern, sondern auch apparative Abhängigkeiten und Einschränkungen sowie neue Geschäftspraktiken mit sich bringen. Renate Giacomuzzi fragt nach den Veränderungen der Autorrolle im "Kontext digitaler Kommunikationsmodelle", durch die AutorInnen in die Vermarktung des eigenen Werkes wie der eigenen Person einsteigen (müssen).

Spannend sind etwa auch die ungeklärten urheberrechtlichen Fragen bei Online-Schreibprojekten, an denen die Community zumindest indirekt mitschreibt. Bereits 1997 kam die Aspekte-Redaktion des ZDF auf die Idee, Ilija Trojanow auf ihren Seiten Stück für Stück einen Roman schreiben zu lassen. Thomas Ernst analysiert das Phänomen u. a. am Beispiel von Tilman Rammstedts morgen-mehr.de für den Hanser Verlag. Alle diese Projekte sind bislang früher oder später in Buchform erschienen – so auch Rammstedts Roman. Mit diesem Medienwechsel aber verschwindet die Beteiligung der Community hinter dem traditionellen Endprodukt in Buchform, was die Beiträge der Leser "substrahiert" und den "besonderen Produktionsprozess des Romans zu einer Werbephase für das eigentliche Buch" (S. 61) umwertet.

Enthalten sind im Band auch erste systematische Analysen zu spezifischen Rezeptionsformen von Literatur im Netz: Das Phänomen "Gemeinsam lesen" auf Literaturplattformen wie LovelyBooks, gegründet 2006 von einer Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holzbrinck, untersucht Raphaela Knipp; Martin Rehfeldt macht sich auf die Suche nach Unterschieden bei Amazon-Rezensionen "zu U- und E-Literatur" - die so groß nicht sind.

(RED)
06. September 2017

 

 

 


Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
PODIUM-Themenheft "Heldenreise" – Thomas Ballhausen | Patricia Brooks | Ilse Kilic | Carsten Schmidt

Mi, 24.04.2019, 19.00 Uhr Zeitschriftenpräsentation mit Lesungen Helden reisen und kehren...

Literaturhaus-Textwerkstatt

Do, 25.04.2019, 18.00-21.00 Uhr Uhr Schreibwerkstatt für Autor/inn/en von 18 bis 26 Jahren Die...

Ausstellung
Hommage an Jakov Lind (1927-2007)

01.04. bis 25.04.2019 Der Autor, Maler und Filmemacher Jakov Lind, 1927 als Sohn jüdischer Eltern...

Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

Tipp
Soeben erschienen – die flugschrift Nr. 26 von Thomas Havlik

Thomas Havliks poetisches Tun ist an den Grenzen von Sprache angesiedelt, dort, wo Sprache...

ZETTEL, ZITAT, DING – GESELLSCHAFT IM KASTEN

Noch bis 23. Mai ist Margret Kreidls Zitatkasten-Kunstwerk im Literaturhaus zu sehen....