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Elisabeth Klar: Wasser Atmen.

Leseprobe

 

"Sie richtet sich auf, jetzt weiß sie, was hier stört. Was hier nicht zusammenpasst. Das Plakat, sie geht hin, sieht, dass sie feuchte Fußabdrücke auf dem Boden hinterlässt. Vor den Fenstern die Stadt nackt bis auf ihre rostigen Knochen. Das Papier des Flipcharts aber dunkel gefleckt, wellt sich, besonders bei den Os, die sich hervordrängen, die Judith alle durchgestrichen hat. Zieh es doch ab, es dominiert das ganze Zimmer. Judith muss nur ein bisschen kratzen, das feuchte Papier zerreißt sofort, der Wassertropfen tritt aus dem Loch im O, schwillt an, langsam bis zum Platzen, zerreißt und rinnt das Plakat herunter. Einen Moment lang ist sie erstaunt, dann aber erinnert sie sich, dass es so gekommen ist. Sie kratzt das nächste O auf, bis es rinnt, sie denkt: Das musste ja so kommen. Sie möchte sich unter der Decke verkriechen, aber die Decke schützt ja nicht mehr. Das Wasser perlt aus den Löchern, über das Papier und ihre Bleistiftworte, wieso lehnt sie auch ihr Zimmer an einen Strom? Es bringt dir nichts, dein Glück ausgerechnet hier einzupflanzen. Sie sieht, auch aus ihren Fingerspitzen rinnt es schon wieder. Sie kratzt weiter.
Die Welt gibt dir alles, was sie dir gibt, ist zu viel sogar für so dickes Glas. So viel, dass es überrinnen mag, aber es tritt dann doch lieber durch die Ritzen. Das ergibt keinen Sinn, denkt sie und bäumt sich fast auf, entweder ich bin leck, oder die Welt, nicht beides. Beides kann nicht sein. Sie kratzt ein O auf, der Wassertropfen tritt sofort an die Stelle des Papiers, schwillt an. Nur Geduld. Nicht beides. Wir leben nicht in einer Schneekugel, aber müsste dann nicht Trockenheit eindringen?"

(S. 187)

© 2017 Residenz Verlag, Salzburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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