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Walter Grond: Vom neuen Erzählen. Gipfelstürmer und Flachlandgeher.

Essays, Gespräche, E-Mail-Dialoge.
Innsbruck: Haymon Verlag, 2001.
180 S., geb., EUR 17,40.
ISBN 3-85218-63-4.

Link zur Leseprobe

Was hat der englische Patient Ladislaus Almásy mit Thomas Bernhard zu tun? Thomas Bernhard mit dem Internet? Und mit Kairo? Fremdes & Vertrautes, über die halbe Welt verteilte Gemeinschaftsprojekte, Diskursfetzen über "unsere neue Zeit", changierend zwischen Tiefgang und Analyse der Oberflächenstruktur, ist das alles - zwischen zwei Buchdeckel gepresst - wieder einmal ABSOLUT typisch GROND?

Wie Walter Grond sich bereits belletristisch ("Old Danube House") und non-fiktional ("Der Erzähler und der Cyberspace") den Zeichen der Zeit und ihrer Bedeutung für Gesellschaft und Literatur gestellt hat, so greift er seine im Allgemeinen optimistischen Thesen auch in "Vom neuen Erzählen. Gipfelstürmer und Flachlandgeher" wieder auf. Der vorliegende Band vereinigt Essays, Gespräche und Email-Dialoge, die eines gemeinsam haben: sie kreisen um das Thema Literatur im multimedialen und multikulturellen Kontext.

Das Internet wird keineswegs als rein markt- und konsumorientierte Notwendigkeit begriffen, sondern auch als Betätigungsfeld für kreative Aktivitäten aller Art. Ohne die Probleme der Globalisierung außer Acht zu lassen, versteht Grond die weltweite Vernetzung als Chance - in erster Linie auch für "abgelegene" Gegenden.

Er widmet sich dabei vor allem der künstlerischen Nutzung digitaler Informationsnetze und versucht, polemische Kritik an multimedialen Kulturtechniken zu entkräften. Statt dessen pocht er auf die Komplexität des Netzes und zeigt Möglichkeiten eines Umgangs damit, die Bereicherung statt Kulturverlust bedeuten. Das Internet fördert durch die Entwertung des Produktionsstandortes auch marginalisierte oder unterdrückte Kulturen, weiters bezieht die Option der Interaktivität den Leser als produktive Kraft mit ein.

Im Zusammenhang mit Globalisierung und Literaturkritik betrachtet Grond die Entwicklung der Literatur angesichts zunehmender Ökonomisierung und Medialisierung, fragt nach der Rolle des Schriftstellers "in einer Welt, in der gewohnte Hierarchien des Wissens ins Wanken geraten". Der Autor ist überzeugt, dass die Literatur keineswegs verschwinden wird, sondern dass Schreiben und Lesen in der Informationsgesellschaft lediglich unter veränderten Bedingungen funktionieren. In Frage gestellt sei nämlich das Monopol der Schrift, des Buches/des Papiers als "Medium" für literarischen Ausdruck.

Auch in den Gesprächen werden diese Thesen wieder aufgegriffen. Etwa wenn Grond mit dem Literaturwissenschaftler Klaus Zeyringer über "Thomas Bernhard und die Mythen der Intellektuellen" diskutiert, mit dem bosnischen Erzähler und Essayisten Dzevad Karahasan über "Europa, die Gelehrtheit und eine Poetik der Mentalitäten" oder mit dem ägyptischen Germanisten Tarik A. Bary über die "Medien, den Orient und das Internet". Ebenso in den E-Mail-Dialogen mit Kulturschaffenden verschiedener Länder.

Den Titel verdankt der Band dem "Gipfelstürmer" und Alpinisten von Heller sowie dem ausdauernden "Flachlandgeher" Almásy, die bei einem tagelangen Fußmarsch durch die libysche Wüste gegen Zusammenbruch und Delirium ums Überleben kämpfen, jeder auf die ihm eigene Weise. Grond thematisiert eigene alpinistischen Erfahrungen, Freiheitsdrang und Todessehnsucht und vor allem das Schreiben als Kunst, die das Überleben ermöglicht. Er habe seine ersten Gedichte und das Klettern immer gemeinsam gedacht.

Diese Grenzerfahrungen sind es, denen Grond immer wieder nachspürt. Gratwanderungen, die Spannung und im besten Falle neue Erkenntnisse versprechen. Und so kann es kaum wundern, wenn er sich eben auch des für den Bereich Literatur doch immer noch als Randthema stigmatisierten multimedialen Kunst-Raumes annimmt. Seine manchmal bildhaften und meist sprachlich präzisen Ausführungen verraten den geübten Essayisten und wenden sich nicht in erster Linie an Wissenschaftler, sondern machen seine Überlegungen für alle interessierten Leser nachvollziehbar.

 

Sabine Selzer
2. April 2002

Originalbeitrag

 

 

 

 

 

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