Wolfgang Millendorfer: Kein Platz in der Stadt.

Leseprobe

 

Zu Mittag taucht Karl in seinem Café unter. Dort ist alles am Platz, die Flaschen stehen hinter der Bar, die Gläser ein Regal darunter, der Chef steht davor, ist aber nicht alleine. Er hält seinen Vortrag, in dem es genau daran geht: die Flaschen immer zurückstellen, die sauberen Gläser reinschlichten, die Aschenbacher auf der Bar nicht selbst vollmachen. Die neue Kellnerin entschuldigt sich und kippt die Asche in einen Kübel neben der Bar; ihre lange, dünne Zigarette hat sie dabei zwischen den Lippen und ihren Kopf dreht sie zum Eingang hin. "Der Herr Karl!" Der Chef hat ihn jetzt bemerkt und Karl kommt langsam näher. Nein, Gabriela, die Kellnerin, ist es nicht, die bleibt verschwunden; die hier sieht ihr aber beinahe ähnlich, was auch an der Zigarette liegen kann, wie Karl feststellt, als er an der Bar Platz nimmt und autmatisch Kaffee bestellt, dann aber spontan auf ein kleines Glas Bier umschwenkt, mit dem er seinen Kater bekämpfen wird, der sich dazu entschlossen zu haben schein, ein wenig länger bleiben zu wollen.
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© 2017 Löcker Verlag, Wien