logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Herbert J. Wimmer: INTERFER. BLAUNSTEINERBUCH.


Leseproben:

 

015 – interferenz, 20. november
ein sandkorn auf der o-taste, schon ist es weggewischt, eine flüchtige bemerkung des trockenen, ich als trockenes, fällt sich blaunsteiner auf, schon bin ich weggewischt, klebe ich an der haut meiner fingerkuppe, meiner gingerkuppe, ein teilchen ingwerpulver, verschrieben ins wirkliche, dem wirklichen verschreibe, ich verschreibe mir die wirklichkeit, die wirklichkeit ist eine verschreibung, ist meine verschreibung, verschrieben wie eingenommen, – rhythmisch ist blaunsteiner weg und da zugleich, eine einzige unvermeidlichkeit, eine endlose unvermeidlichkeit, und noch einige un-präfixe dazu: unleidlich, unfertig, unerträglich, zufällig zusammengeronnen aus unterschiedlichsten quellen.

 

169 missverständnis – 22. april
langsam wurde es plötzlich
abschätzig abschätzend betrachtete er das risiko, das er sich war, sich langsam des risikos bewusst werdend, das er für sich bildete, betrachtete er das risiko des betrachtens, das sich ihm als bild darbot, das er als sein spiegelbild erkannte, wie es ihm morgens und abends vor den spiegelnden flächen seines badezimmerschränkchens geschenkt wurde, mein bild, dachte er, mein spiegelbild, will ich jetzt nicht denken, in diese falle werde ich mir nicht gehen, nicht in diesem augenblick, der schon der nächste ist und noch immer so ausschaut wie der augenblick davor, und noch immer so ausschaut wie der augenblick, der bald eintreten wird, je länger ich mein betrachten betrachte, mich beim betrachten meines betrachtens im spiegel betrachte, mich als mein spiegelbild beim betrachten meines betrachtens, in meinem spiegelbild gefangen mich betrachte, wie ich mir des risikos bewusst bin, das ich mir bin (…)

 

219 missverständnis – 11. Juni
reminiszente legasthenie
nach dem jungle book in hervorragendem 3-d schreibt sich blaunsteiner eine zeitlang balu-nsteiner, ein blauer bär, mit neigung zur vorratshaltung. welche haltungen habe ich vorrätig, fragt er sich, während er einen baulnsteiner korrigiert. neimand wäre auch nicht leichter, ich bin der nemiand, so komm ich nie zu einer heimkehr, von der ich mir sowieso nichts verspreche, ein ankommen im muster, musterhaft sich die ankunft im vorhergesagten nachsagen lassen, nein danke, meine heimat ist das unbekannte, jederzeit kann ich dort ankommen, dann ankommen. an blaunsteiners honigverklebten fingern hält sich der notizzettel. balunsteiner macht eine abschüttelnde handbewegung, etwas unkonzentriert, seine ganze aufmerksamkeit gilt den süsseempfindungen in seinem mundraum, oralvorstellungen beschäftigen ihn voll und ganz.

 

223 – missverständnis – 15. juni
mozartkugel, angefressen – club-ö-eins-parlando
die angebissene mozartkugel als bild für was unvollendetes unter der frage:
vollendet im unvollendeten? zeigt bloss was angefressenes, mozartmarketingmässig

 

4. april
LOB DER FREMDE
oder
LOB DES FREMDSEINS
"ich bin ein glücklicher bewohner der fremde"
auf jahr und nein
jahr-sagen
jahr, aber
das jahrwort geben

fluglaich

            (café engländer)

 

© 2017 Sonderzahl, Wien


Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
PODIUM-Themenheft "Heldenreise" – Thomas Ballhausen | Patricia Brooks | Ilse Kilic | Carsten Schmidt

Mi, 24.04.2019, 19.00 Uhr Zeitschriftenpräsentation mit Lesungen Helden reisen und kehren...

Literaturhaus-Textwerkstatt

Do, 25.04.2019, 18.00-21.00 Uhr Uhr Schreibwerkstatt für Autor/inn/en von 18 bis 26 Jahren Die...

Ausstellung
Hommage an Jakov Lind (1927-2007)

01.04. bis 25.04.2019 Der Autor, Maler und Filmemacher Jakov Lind, 1927 als Sohn jüdischer Eltern...

Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

Tipp
Soeben erschienen – die flugschrift Nr. 26 von Thomas Havlik

Thomas Havliks poetisches Tun ist an den Grenzen von Sprache angesiedelt, dort, wo Sprache...

ZETTEL, ZITAT, DING – GESELLSCHAFT IM KASTEN

Noch bis 23. Mai ist Margret Kreidls Zitatkasten-Kunstwerk im Literaturhaus zu sehen....