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Leseprobe: Karl-Markus Gauß, Kurt Kaindl - "Die unbekannten Europäer."

Es war in Kalabrien, hoch im Gebirge, in der pittoresken Stadt Civita, die dem Besucher, der sie zum ersten Mal erblickt, den Atem raubt, so kühn ist sie zwischen schroffe Felsen und steile Abhänge gebaut. Wir saßen todmüde von den Erkundungen einer Woche im Gasthaus und hörten dem Wirt zu, der uns begeistert von den albanischen Bräuchen, Speisen, Sitten, von den Heiligen und Gespenstern der Region und von Glück wie Anfechtung erzählte, einer nationalen Minderheit anzugehören. Da die spärlichen Zecher des Ortes sich längst auf ihren stockfinsteren Weg gemacht hatten, waren wir nur mehr zu dritt in der Stube: der Wirt und wir zwei, die aus Österreich gekommen waren, um die Nachfahren jener Albaner zu besuchen, die vor 500 Jahren ihre Heimat verlassen hatten und sich selber Arbëreshe nennen. Der Wirt erzählte und erzählte, und wie es seinem Wesen entspricht, machte Kurt Kaindl dazu freundliche Miene, doch war er, der Belehrung entrückt, längst mit den Bildern, die er tagsüber gesehen hatte, und den Fotografien, die er morgen machen mußte, beschäftigt. Für mich aber war dies ein Glücksfall, denn selten trifft man in einem so abgelegenen Ort auf einen Intellektuellen, der in einer europäischen Großstadt studiert hat und dann doch nach Hause zurückgekehrt ist, um ein Gasthaus zu führen, die alte Küche des Volkes wieder zuentdecken, die Sozialgeschichte des Gebietes zu erforschen und interessierten Fremden bereitwillig Auskunft zu erteilen. Wir kamen erst spät los von diesem Wirt, seinen Geschichten, seinem kalten Rotwein, und auf dem Heimweg durch den fremden Ort mußte ich lachen, weil mir unvermittelt aufgegangen war, welche läppische Sache die Arbeit des Schriftstellers von der des Fotografen unterscheidet [...] der eine muß spät noch lesen und prüfen, ob das, was er aufgeschrieben hat, auch ausreicht, daß er sich zu Hause genau daran erinnere; der andere muß früh aufbrechen und prüfen, ob das, was er sieht, auch als Foto was taugen könnte.
(s. 6 f)

© 2002, Edition Fotohof im Otto Müller Verlag, Salzburg.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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