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Rainer Reinisch: Paschingers freier Fall.

Leseproben:

Die Verkrampfung lässt auch das Büro wieder in seine Einzelteile zerfallen, die Polstertüre kommt auf ihn zu, die Straßenbeleuchtung leuchtet ihm den Weg. Seine Zunge klebt am Gaumen, der Mund ist trocken. Alles Dunkle wird gleißend. Wenn nur jemand da wäre. Warum bin ich eigentlich da in der Bedrängnis, aus der mir nur mehr die Waffe hilft.
(S. 18.)

Ich bin der Richter. Morgen ist das Jüngste Gericht.
Paschinger greift nach dem Revolver, hält ihn am Lauf und am Griff, schnappt die Sicherung geräuschvoll auf und zu und denkt an den Hausbau, an den Grundstückskauf und die Rechnungen, die zu bezahlen sind.
(S. 31.)

Paschinger deckte auf, er dokumentierte, er interpretierte und stellte seine persönliche Stellungnahme zurück. Aus den Fakten allein, aus Zitaten und Dokumenten allein soll der Sumpf, in dem Österreich und seine Bankenwelt zu versinken drohen, als ein apokalyptisches Gemälde Form annehmen.
(S. 41.)

Es sei gleich vorhergesagt und verraten: Was Paschinger in kleinlicher Penibilität und Genauigkeit zusammengestellt und aufgelistet hatte, wussten die Oppositionsparteien weit detaillierter und präziser als Paschingers Recherchen es aufdeckten. Die Zeitungen wussten weniger, ahnten aber weit mehr und waren enttäuscht. Die Politik und die Politiker waren verdutzt, überrascht und befremdet, aber in keiner Weise bestürzt oder vor den Kopf gestoßen. Was sie alle nicht wussten und was Maria, seine Frau, auch nur ahnte: Die Ausarbeitung der Anklage, der Chronologie und der Briefe hat Paschinger über Wochen und Monate am Leben erhalten.
(S. 43.)

Wolf hatte ins Schwarze getroffen, als er meinte, die Parteien landen in einem Medien- und Schaustellergewerbe, die alles und jedes nur aus der Perspektive des Schlitzes in der Wahlurne betrachten, die, während sie die alten Korruptionsfälle unter den Teppich kehren, neue Korruption auf Touren bringen, die die Personalrochaden unterbelichteter Kommissare als politischen Inhalt verkaufen.
(S. 92.)

Nach dem Studium der Volkswirtschaft, nach der Zeit als Studentenvertreter in ein Buchhaltungsbüro einzusteigen, ist eine kalte Dusche. Der Magistertitel tut wohl, das Ansehen des großen und die ganze Region bestimmenden Unternehmens der verstaatlichten Industrie gibt Rückhalt und einen Hauch von Standesdünkel. So muss es einem Absolventen des Reinhardt-Seminars gehen, der den Faust zu rezitieren gelernt hat und dann auf einer Schmiere vor Kurgästen einen lausigen Liebhaber abgeben muss.
(S. 119.)


© 2017, Innsalz, Munderfing

 

 

 

 

 

 

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