logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Barbara Glauert Hesse: Paris tut not.

Rainer Maria Rilke/Mathilde Vollmoeller.
Briefwechsel.
Göttingen: Wallstein Verlag, 2001.
270 S., geb.; ÖS 350.-.
ISBN 3-89244-442-0.

Link zur Leseprobe

Auf einem Foto sehen wir sie als eine elegante junge Frau, mit Federhut und Boa, geradeheraus in die Welt blickend mit dunklen, ernsten Augen, den Mund leicht trotzig verschlossen und dabei doch so unwirklich ins Nichts des Hintergrundes getaucht wie eine Elfe. Mathilde Vollmoeller war eine der herausragenden Frauengestalten der Malerei der Jahrhundertwende. Sie war Schülerin der Académie Matisse, stellte wiederholt im Salon d'Automne aus und wurde von Kollegen als beachtliches Talent geschätzt. Dennoch - heute kennt man sie vor allem als Freundin berühmter Männer (das Namensregister liest sich wie ein Who is Who der künstlerischen Avantgarde). Nach ihrer Heirat mit Hans Purrmann führt sie ihr Paß bezeichnenderweise als "Kunstmalers Ehefrau"; zahlreiche ihrer Gemälde gingen unter seinem Namen in den Handel.

Nun hat ihr Briefwechsel mit Rainer Maria Rilke ihrer freundschaftlichen Korrespondenz bereits die zweite Edition innerhalb der letzten zehn Jahre beschert. Daß der vorliegende Briefwechsel das Augenmerk wieder auf die Künstlerin Mathilde Vollmoeller lenkt, ist neben dem kenntnisreichen und klugen Kommentar der Herausgeberin eines der Verdienste dieser neuen Ausgabe (letztere erweitert um 15 mittlerweile gefundene Briefe).
Die kleine, zierliche, selbstbewußte Person, gesegnet mit finanzieller Unabhängigkeit und beherzter Unerschrockenheit, war in praktischen Dingen ebenso selbständig wie in ihrer Einschätzung der zeitgenössischen Kunst und Kultur. 1897 begegnete sie Rilke zum erstenmal bei einer George-Lesung in Berlin. 1906, in Paris, wird die Beziehung enger, fast eine Freundschaft. Sie war es, die den Dichter auf Cézanne aufmerksam machte und ihn der zeitgenössischen modernen Malerei und Dichtung näherbrachte (Rilke zitiert begeistert ihr Urteil über Cézanne: "Wie ein Hund hat er davorgesessen und einfach geschaut, ohne alle Nervosität und Nebenabsicht").

Der zwischen 1906 und 1920 dokumentierte Briefwechsel zwischen Rilke und Mathilde Vollmoeller gibt Einblicke in ihre künstlerische Entwicklung wie in ihren Alltag; und er ist zugleich Zeitbild einer Stadt und eines Mythos. Paris - die schillernde Metropole, in welche es auch die kleine, emanzipierte Person mit schwäbischem Zungeschlag zog, die sich dort ganz ihrer künstlerischen Arbeit zu widmen gedachte. - Nicht weniger als der seiner Selbstbestimmung verschriebene Rilke, dem sie nicht nur mit ihrem Atelier (samt Nützlichem wie Handtüchern und Besteck) aushalf, sondern ihn auch zum Sammeln jener Maler anregte, die sie kannte und bereits in ihrer Wohnung - wie selbstverständlich - hängen hatte: Picasso, Seurat, Rousseau, Matisse und viele der berühmten Namen mehr.

Iris Denneler
10. September 2001

Originalbeitrag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Super LeseClub mit Diana Köhle & Didi Sommer

Mo, 18.12.2017, 18.30-20.30 Uhr Leseclub für Leser/innen von 15 bis 22 Jahren Im Super...

Dichter ran, Juvivo!

Mo, 18.12.2017, 19.00 Uhr Workshop-Präsentation & Diskussion Was umgibt uns an Literatur...

Ausstellung

Tipp
flugschrift Nr. 21 – MARK Z. DANIELEWSKI

Dem amerikanischen Autor Mark Z. Danielewski gelang es mit seinem Roman-Debut Das...

Incentives – Austrian Literature in Translation

Neue Beiträge zu Clemens Berger, Sabine Gruber, Peter Henisch, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Barbi...