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Stefan Kutzenberger: Friedinger.

Leseprobe:

Clelia ging nackt und langbeinig auf mich zu. Ich lag, ebenfalls nackt, auf dem Rücken und blickte geblendet auf ihre strahlende Schönheit, während sie sich langsam auf meine Körpermitte setzte. Ihr Gesicht schob sich vor die Sonne wie der Mond bei einer Eklipse, sodass ihre Haare heiligenscheinartig zu leuchten begannen. Das Strandbad war gut besucht, doch das störte mich nicht, als sie begann, sich rhythmisch auf und ab zu bewegen. Badegäste gingen achtlos vorbei, nur Herr und Frau Obama schienen sich für uns zu interessieren und kamen zielstrebig näher, sie in einem armfreien roten Kleid, ihre wohlgeformten Arme stolz präsentierend, er mit seinem gewinnenden Lächeln, die Hände lässig in den Hosentaschen.

Normalerweise enden meine erotischen Träume mit so einer absurden Störung, irgendwer kommt immer ungefragt herein, ein Freund aus alten Schultagen, Familienangehörige, ein Schaffner. Diesmal schien die moralisierende Autozensur meines Unbewussten jedoch versagt zu haben. Obama nickte mir aufmunternd zu, und Michelle kniete sich vor uns nieder und beobachtete genau, so wie man ein realistisches Kunstwerk in einem Museum betrachtet, wie unsere Körper perfekt ineinanderpassten. Nice, sagte sie und schaute zuerst mich und dann ihren Gatten zustimmend nickend an. Clelia, und es war eindeutig Clelia und nicht ein traumhaft zusammengesetztes Amalgam aus verschiedenen Wunschvorstellungen, stöhnte leise wimmernd und sagte Aïe und Go on. Ich wachte auf. Die Sonne schien mir prall ins Gesicht, Kinder liefen laut spielend herum, ich lag am Rücken auf einem Handtuch im Freibad. Meine Badehose wölbte sich wie ein Zelt nach oben, schwer zu beurteilen, ob es jemand gesehen hatte. Ich setzte mich auf und schaute herum, zumindest schien niemand die Polizei geholt zu haben. Kurzentschlossen raffte ich mich auf und sprang ins kühle Wasser. Dann lud ich meine Frau und meine Kinder auf ein Eis ein.


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Endlich wusste ich auch, wie ich hätte reagieren sollen, als ich im letzten Sommer meine Kinder strahlend und lachend im Meer von Vangelis' Terrasse beobachtet hatte. Offensichtlich war es falsch gewesen zu denken: Eigentlich sollte ich glücklich sein. Es wäre auch nicht viel besser gewesen, gerührt im Schatten zu sitzen und zu denken, dass ich glücklich war. Stattdessen hätte ich meiner Frau einen Kuss geben und mich daraufhin laut johlend ins Wasser werfen sollen, um unsere beiden Kinder fröhlich anzuspritzen oder einen Wettbewerb zu starten, wer mehr Purzelbäume machen konnte, ohne Luft zu holen (ich, achtzehn nämlich). Der Große hätte gesagt, Papa, du bist so peinlich, die Kleine hätte sich strampelnd und mit bibbernden blauen Lippen an mir festgehalten, und ich hätte gespürt, ohne darüber nachdenken zu müssen: Ich bin glücklich.

 

© 2018 Deuticke Verlag, Wien

 

 

 

 

 

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