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Helmut Neundlinger: Eins zwei Fittipaldi.

Leseprobe:

Also unsere Oma hätte ein bisschen der Schlag getroffen, wenn sie die Totenschädel vor der Madonnenstatue entdeckt hätte. Andererseits hätte sie sich sicher gefreut und gesagt: "Seht ihr, Kinder, wenn ihr wirklich in Not seid, kommt die Muttergottes zu euch und nimmt euch an der Hand", oder so ähnlich. Wie wir noch kleiner waren, waren wir eigentlich auch ziemliche Madonnenverehrer, aber dann sind andere Schutzmächte wichtiger geworden. Mit dem Geld, das die Oma uns immer zugesteckt hat, haben wir eben auch so Sachen gekauft wie Jedi-Ritter aus Gummi.

Unsere Oma hat in der Kirche sitzen, beten und dabei eine Miene aufsetzen können, dass sich selbst der Jesus am Kreuz wie der ärgste Sünder vorgekommen ist. Da ist sogar unser Opa manchmal still geworden und hat auf den Boden geschaut, wenn die Oma ihren heiligen Blick gegen den Himmel oder auf ihn gerichtet hat. Das ist im Prinzip auch ihre allerschärfste Waffe gewesen, wenn mein Opa wieder einmal über den Pfarrer und den Papst und wer weiß noch alles geschimpft hat.

Oft haben wir nicht gewusst, wem wir recht geben sollen. Weil im Prinzip haben wir unseren Opa und unsere Oma gleich lieb gehabt. Das heißt, den Opa haben wir so geliebt und die Oma eben anders.

Das Abenteuer und die Waffen auf der einen Seite, die Mehlspeisen, Geschenke und Erzengelgebete auf der anderen. Da haben mein Bruder und ich uns manchmal aufgeteilt, im Sinn von: Du kümmerst dich um die Oma und ich um den Opa, und am Ende schauen wir, dass wir sie beide ungefähr gleich um den Finger wickeln, dann gibt es Abenteuer, Waffen, Mehlspeisen und Geschenke, alles in einem.

(S. 45–46)

© 2018 Müry Salzmann, Salzburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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