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Bruno Schernhammer: Und alle winkten. Im Schatten der Autobahn.

Leseprobe

Gwowa staunte über die Vielfalt, die man mit dem Wort Lager ausdrücken konnte. Beim Brückenbau stellt es einen Bauteil dar, der Lasten aufnimmt und auf ein stützendes Element überträgt. Diese lassen sich in feste und bewegliche Lager unterscheiden, wovon es wiederum verschiedene Arten gibt: Rollen- und Kipplager, einfach und mehrfach bewegliche Lager.
Das Lager neben dem Fluss war Jahre zuvor ein Ort zum Aufbewahren von Rohstoffen, Bauteilen, Maschinen und Werkzeugen gewesen, oben in den Baracken waren Menschen einquartiert.
Wie viele Arten der Unterbringung alleine er gesehen hatte: Mädchenlager, Ertüchtigungslager, Kraft durch Freude-Lager, Arbeiterlager, Zivilarbeiterlager, Wartelager, doppelt umzäunte, mit lebenden Zäunen, Stacheldrahtzäunen … und von wie viel mehr er gehört hatte: Erholungslager, Ausbildungslager, Arbeitserziehungslager, Sonderlager …
Blasmusik beendete Gwowas Nachsinnen. Männer in Uniformen schritten die Schotterstraße herab. Sie trugen Blasinstrumente und Trommeln vor sich her. Ihnen folgten der Pfarrer, die Kaplane, die Ministranten, der neue Bürgermeister und Fremde von der Landesregierung, dahinter Leute aus dem Dorf. Die neue Brücke war mit Kränzen und Girlanden geschmückt. Nach der Ansprache des Pfarrers reichte ihm ein Ministrant einen Kessel mit Wasser, der Pfarrer griff nach dem Wedel und besprengte das Geländer und das Kreuz, das in der Mitte der Brücke angebracht war. Zum Abschluss der Feier spielte die Musikkapelle ein Lied an und alle stimmten ein Hoamatland, Hoamatland! Han di so gern, wiar … a Hünderl sein' Herrn. Die letzte Zeile wiederholten sie, Han di so gern, wiar … a Hünderl sein' Herrn. Am Abend feierten die Männer aus dem Dorf und die Herren von der Landesregierung in einem Gasthaus weiter und sangen zur selben Melodie
Und zun Bier und zun Most
Schmeckt a kräftige Kost.
Und die wachst alle Jahr,
Mit der Noat hat's koan Gfahr.

Dazu wurde reichlich Lagerbier ausgeschenkt.

(S. 143 f)

© 2018 Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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