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Andreas Unterweger: GRUNGY NUTS.

Erzählungen.
Graz:
Literaturverlag Droschl, 2018.
160 S.; geb.; Euro 19,-.
ISBN: 978-3-99059-021-8.

Autor

Leseprobe

Andreas Unterweger macht experimentelle Literatur nach einem formalistischen Konzept. "Sowas ist sicher schwer zu lesen", mag man sich nun denken, "völlig unzugänglich und, wenn überhaupt, maximal für eine kleine literaturbetriebliche Bubble interessant." Das ist aber nicht so. Ganz im Gegenteil. Unterwegers Schreiben im neuen Erzählband "Grungy Nuts", aber auch in früheren Arbeiten wie "Das gelbe Buch" (2015), ist alles andere als elitär oder absichtlich "schwierig", sondern auf äußerst ansprechende Weise lesbar. Das komplexe Konzept dahinter – Zeilenanzahl und -länge spielen ebenso wie rhythmisierend-leitmotivische Wiederholungen eine grundlegende Rolle – dient nämlich nicht dem Selbstzweck, sondern zieht die Lesenden in ein ausgeklügelt-feinsinniges Spiel mit Sprache hinein, das voller Hinter- und Untergründe ist.

Inhaltlich drehen sich die Erzählungen von "Grungy Nuts" um Jugendliche in den 1990er Jahren und das, was ihr Lebensgefühl ausmacht: Rebellische Attitüde, Musik, Musik und nochmals Musik, Scharmützel in der Peer Group und das Streben nach geradezu jenseitiger Coolness. Wichtigste "Figur" ist eine Rockband mit dem Leader Hans und den weiteren Mitgliedern Gomo, Long Dong sowie dem Ich-Erzähler, der immer ein wenig am Rande bleibt oder sich zumindest in permanentem Understatement übt. Was passiert, bestimmt aber auf jeden Fall Hans, der zwar allerhand über Literatur und Rockmusik weiß, aber unter der alten Krankheit der "Theoretiker" leidet: Er schafft nichts Eigenes, bis auf einen einzigen – was sonst – Nicht-Song und natürlich den programmatischen Unterbau (im doppelten Wortsinn) der Band: "Unter dem Druck, mit einem Mal quasi identisch zu sein mit 'dem Uncoolsten überhaupt, der eigenen babyschen Vergangenheit nämlich', so Hans, sei uns ja gar nichts anderes übrig geblieben, als die von uns besetzten (uns zustehenden!) Reviere (Schule, Tanzschule, Mädchen) aufzugeben, d. h.: den Rückzug anzutreten ... Wohin? 'In den Untergrund!'" (97)

"Grungy Nuts" trägt die Genrebezeichnung "Erzählungen", es ist nun aber keineswegs so, dass die einzelnen Teile des Bandes ganz für sich stehen und nichts miteinander zu tun haben. Vielmehr gibt es ein gemeinsames Reservoir an Figuren und Schauplätzen, aus dem nach dem Prinzip der narrativen Verschachtelung geschöpft wird. Wenn man also möchte, kann man diesen Erzählband auch wie einen zyklisch gebauten Roman in skurril überdrehten, über Plots, Subplots, Themen und Motive miteinander verbundenen Erzählungen lesen, der bezeichnenderweise mit dem Vorabend eines 18. Geburtstags beginnt und endet.

Die einzelnen Erzählungen sind nun zwar nach ganz unterschiedlichen Ordnungskriterien gestaltet, jedoch verbindet sie, dass sie eben gestaltet sind, hinter jeder Zeile eine formale Idee (ver)steckt (ist) und sie von einem ganz außergewöhnlichen Umgang mit Sprache getragen werden. Es gibt nämlich kaum einen österreichischen Autor, der so nuanciert und gleichzeitig leichtfüßig dem Zusammenspiel von Wörtern, Sätzen und Interpunktion hinterherspürt wie Andreas Unterweger. Sein Schreiben hat etwas von Lyrik wie von Lyrics, seine Erzählungen sind dicht wie Gedichte und rhythmisch wie Songtexte gebaut. "Grungy Nuts" kann deshalb wie ein literarisches Konzeptalbum gelesen werden, dessen visuelle Prosapoesie ebenso zugänglich, eingängig und vom Geist der Teenage Rebellion durchzogen ist wie die besten Songs der Rockgeschichte:

"Und Hans? Starrte auf seinen Fuß (bzw. was drinsteckte

[GOMOS HÖLLISCH SCHARFE EX-SCHAMRASIERKLINGE]) ...

Er murmelte: "Sie, die die Adern öffnet, tut dies so einfach ..."

LONG DONGS TEUFLISCH ROTER HÖRNCHEN-AUFBACK-OFEN

aber ging aus, die Musik (Kitchens o. D., Love Is Hell) auch, und

HANSENS SO TIEF GESUNKENER KUSCHEL-SEE-ELEFANT

verlor weiter an Höhe – in jener Stille, die der Erkenntnis, dass man
sich im Datum geirrt hat (und Delogierungen), oft vorangeht." (72)


Rezension von Gerald Lind
03. September 2018

Originalbeitrag.
Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

 

 

 

 

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