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Verena Rossbacher: Ich war Diener im Hause Hobbs.

Leseprobe:

Wir aßen Trüffeltorte, sie plauderte über Raphael, ihren babyspeckigen Sohn, den großen Garten mit seinen Vor- und Nachteilen (wunderbare alte Obstbäume, windgeschützt, fette Erde, lichtschluckende Bäume, leicht abschüssig) und einen kürzlich verstorbenen Hund namens Pina Bausch, sie erwähnte ihren Mann und ihren malenden Schwager – "Sie kennen uns alle ja bereits von der Fotografie, nicht wahr?" –, dazwischen trank sie Kaffee, cremte sich die Hände ein und rühmte meinen großen Wuchs, die hohe Stirn ("wie Wittgenstein"), und diesen "alpinen Zug um den Mund". Wie nebenbei erfragte sie die berufliche Tätigkeit meiner Eltern (ich sagte: "Einzelhandel"), bevorzugte Lektüre ("Kafka" – mit Kafka liegt man erfahrungsgemäß nie falsch, er ist der Code für unverbindlich guten Geschmack, und niemand fragt je genauer nach) und sprach über die Tatsache, dass ihr Haus mein zweites Arbeitsumfeld sein würde, das erste allerdings nach meiner Ausbildung.
"Ich habe mit Robert Wenneke telefoniert – Ihrem Zeugnis entnahm ich, dass Sie auf seiner Schule waren. Ich habe mich über Sie informiert."
"Natürlich."
"Er hält sehr viel von Ihnen."
"Das ehrt mich."
Sie knuffte mich in die Seite. "'Ein Naturtalent'", sagte er mir, "'der wird seinen Weg machen'."
"Das ist sehr gütig von ihm."
"Du meine Zeit, Sie reden ja wie ein Opa, wie alt sind Sie noch mal?"
"Ich war im Herzen immer schon eher ein Fall für den Seniorenteller."
Sie lachte dieses "wundervolle Lachen der Großzahnigen" und kratzte den letzten Rest Torte von ihrem Teller.
"Ich möchte mich nicht in Ihr Privatleben einmischen, aber wenn Sie denken, damit den Unwägbarkeiten des Lebens zu entkommen, alle Turbulenzen und unangenehmen Überraschungen zu überspringen, täuschen Sie sich aber gewaltig."
"Unwägbarkeiten?"
Sie lehnte sich zurück, griff nach ihrem Foulard und knotete sich das apricotfarbene Stück Seide duftig um den Hals. Die Sonne kraxelte, plötzlich noch einmal ganz behend, zwischen den Wolken hervor und schien nun durchs Caféhausfenster, mäanderte durch ihr tolles Haar, sie hatte Lachfältchen um die Augen, und jetzt, in dem veränderten Licht, sah man erst, wie geschickt die Farbwahl ihrer Kleidungsstücke war: Ihre Bluse, im Licht hier herinnen nicht mehr als ein teures Oberteil, leuchtete nun auf wie Moos in einem Laubwald, nachdem der Regen sich verzogen hatte, ein zugleich aufregender wie geheimnisvoller Vorgang.

(S. 29-31)

© 2018 Kiepenheuer & Witsch, Köln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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