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Carola Hilmes (Hg.) Schriftstellerinnen I

Ulrike Draesner, Ulla Hahn, Barbara Honigmann, Felicitas Hoppe, Elfriede Jelinek, Yoko Tawada.
München: edition text+kritik 2018.
183 Seiten, Taschenbuch, EUR 18.
ISBN
978-3869165875.

Jede Germanistin kennt sie, (jeder Germanist auch), die kleinen roten Ordner des Kritischen Lexikons zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, kurz KLG, in das man voll Freude jede neue Nachlieferung in die Loseblattsammlung einordnen kann, das Stickeralbum der germanistischen Literaturwissenschaft sozusagen. 1978 von Heinz Ludwig Arnold begründet, hat sich das KLG, das es neben der wunderbaren Loseblatt-Ausgabe, die Heerscharen von Germanistik-Studierenden in den Zitationswahnsinn treibt, auch als kostenpflichtige Online-Version gibt, hat sich zurecht seit langem als Standardwerk zur Gegenwartsliteratur etabliert. Das Prinzip ist so einfach wie bestechend und machte das KLG schon zu einem einzigartig aktuellen Lexikon für Gegenwartsliteratur, als Online-Lexikons noch nicht einmal existierten. In der neuen Reihe KLG Extrakt der edition text+kritik erscheinen nun ausgewählte Beiträge zu bestimmten Themen. Lyrik und Prosa der DDR bestreiten etwa jeweils einen Band, Schweizer „Klassiker“ seit 1945 sind ebenso zu finden wie Junge und Jüngere Literatur aus Österreich und Popliteratur (erscheint im November).

Der vorliegende Band Schriftstellerinnen I, herausgegeben von Carola Hilmes, ist der erste Band von geplanten drei, in denen ausgewählte Beiträge zu nach 1945 geborenen, deutschsprachigen Autorinnen gesammelt werden. Elfriede Jelinek, Ulla Hahn, Barbara Honigmann, Yoko Tawada, Felicitas Hoppe und Ulrike Draesner bestreiten den ersten Band. Diese haben genau eines gemeinsam, nämlich dass sie deutschsprachige Schriftstellerinnen sind. Nun bedarf ein Band über Nationalliteraturen, eine bestimmte Gattung oder ein Genre wenig Erklärung, höchstens die Textauswahl könnte hier strittig sein. Sobald ein Sammelband oder eine Anthologie als entscheidendes Auswahlkriterium das Geschlecht erwählt, besteht Erklärungsbedarf, zumal das gleiche Projekt nur mit männlichen Autoren undenkbar wäre. Das hat freilich mit der mangelnden Notwendigkeit zu tun, da unzählige Bände erscheinen, in denen nur Männer vorkommen, was aber nicht weiter gekennzeichnet werden müsste, da es unserer Lese- und Kanonsozialisation entspricht und so häufig nicht weiter auffällt. Abgesehen von der nicht vorhandenen Notwendigkeit, Männer nur aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit zu präsentieren, käme uns die Auswahl auch ausgesprochen willkürlich vor. Man denke sich einen Band Schriftsteller I, welche Autoren sollten da ausgewählt werden und auf welcher Basis? Ist es dann nicht umgekehrt ungeheuer paternalistisch und vermittelt den Eindruck, es gäbe weniger großartige Schriftstellerinnen als Schriftsteller, sodass hier eine Auswahl möglich ist und leichter fällt? Ganz können diese Vorwürfe nicht entkräftet werden. Sie treffen allerdings nicht die Herausgeberin, sie zeigen vielmehr die noch immer bestehenden Defizite des Literaturbetriebs auf, die erst dazu führen, dass nur für Frauen reservierte Bände notwendig sind. Männer müssen nicht auf die Bühne gehoben werden, weil ihnen das ganze Theater gehört. Leider geht die Herausgeberin auf die Problematik in ihrem Vorwort kaum ein, das wäre wünschenswert, ja notwendig gewesen. „Frauenliteratur ist ein prekärer Begriff, weil er auf Ausgrenzung beruht.“, (S. 14) schreibt Hilmes in ihrer Einleitung. Schriftstellerinnen I-III mag ein anderes Ziel verfolgen, die Wirkung ist aber leider ähnlich. So reproduziert die Reihe, was sie eigentlich bekämpfen will, nämlich eine Separierung. Und egal ob gewollt oder nicht, der Titel suggeriert, dass es eine Gemeinsamkeit von Schriftstellerinnen gibt, die sie zu etwas anderem macht als Schriftsteller, Simone de Beauvoir lässt grüßen. Dabei verfolgt Hilmes einen sehr pragmatischen Zugang. Die eigentliche Intention ist die Popularisierung und der Focus auf das Werk. “Während also das Werk einzelner Autorinnen große Aufmerksamkeit und auch Anerkennung in der Öffentlichkeit erfährt, sind im Unterrichtskanon nur geringe Veränderungen zu verzeichnen. Es besteht also Bedarf, die Schriftstellerinnen und ihre Romane, Theaterstücke und Gedichte zu popularisieren.“ Dazu sollen die vorläufig drei Bände einen Beitrag leisten. Dass sich die Auswahl der vorgestellten Autorinnen an „wichtigen Literaturpreisen“ orientiert, also an jenen, die ohnehin schon „Anerkennung in Öffentlichkeit“ erfahren, ist ein kleiner Schönheitsfehler, der allerdings in der Reihe begründet ist, die es sich nicht zur Aufgabe macht, den Kanon neu zu schreiben.

Die Kritik an dem Band ist also rein grundsätzlicher Natur, die Beiträge selbst, die etwas gekürzt und für die Publikation nochmals überarbeitet wurden, sind eine hervorragende komprimierte Einführung ins Werk der jeweiligen Autorin und erfüllen weit mehr, also man es üblicherweise von Lexikonbeiträgen erwarten kann. Auch die Auswahl ist interessant und gelungen, sie berücksichtig verschiedene Gattungen, Themenfelder und ästhetische Zugänge und zeigt unterschiedliche Facetten weiblichen Schreibens, von der feministischen Radikalität einer Elfriede Jelinek zur subversiven Verspieltheit Felicitas Hoppes. Der zweite Band beinhaltet Beiträge über Herta Müller, Dea Loher, Judith Hermann und Emine Sevgi Özdamar. Man darf sich auf darauf freuen, weil exemplarisch das Können von Schriftstellerinnen beschrieben wird, aber ein kleines Unbehagen bleibt.

Veronika Schuchter
01. Oktober 2018




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