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Martin Kolozs: Auf staubiger Straße.

Leseprobe:


"Qué pretende?", fragte sie verächtlich. "Was wollen Sie?"
"Ich brauche einige Informationen …"
"Seit wann interessiert sich die Polizei für Leute wie uns?"
Dieses Mal kam der Angriff von Seiten des Mannes.
"Gibt es denn keine reiche Familie, die Ihre Hilfe braucht?"
Die Klage war echt. Guzman hörte die Verzweiflung und die tief empfundene Ungerechtigkeit darin. Er wusste, dass es in der Vergangenheit immer wieder Fälle gegeben hatte, in denen die argentinische Polizei nicht aktiv wurde, weil die betroffenen Familien zur armen Bevölkerungsschicht gehörten. Lange hatte sich für deren Probleme niemand interessiert, und bevor etwa für ein vermisstes Kind eine großangelegte Suche gestartet wurde, fand man andere Erklärungen, egal wie absurd diese auch waren. Und gleiches galt bei Vergewaltigungen oder Mord. Dennoch ging Guzman über den begründeten Vorwurf hinweg und fing an, seine Fragen zu stellen; für ihn war das ein Zeichen, dass er es ernst meinte, und sowohl Carlota als auch Ernesto Fuemes schienen ihm dadurch allmählich zu vertrauen.
"Wann haben Sie Mateo zuletzt gesehen?"
"Vor zwei Tagen."
"Kam es öfter vor, dass er länger fort blieb?"
"Si, aber es war das erste Mal über Nacht."
"Warum haben Sie das nicht gemeldet?"
"Die Polizei hilft doch keinem wie uns."
"Was meinen Sie damit?"
"Wir sind arme Leute, Señor."
"Ich möchte Ihnen aber helfen."
"Jetzt ist es zu spät, der Teufel hat Mateo geholt." Beide machten ein Kreuzzeichen und blickten zum Himmel. "Padre Nuestro que estás en los cielos, santificado sea tu nombre, venga a nosotros tu reino …"
"Glauben Sie das wirklich?"
"Wer sollte sonst so etwas Schreckliches tun? Wir sind hier in einem kleinen Dorf, jeder kennt jeden …"
"Ich muss mich an Tatsachen halten."
"Und welche wären das?"
"Zum Beispiel, dass Sie nicht gemeldet haben, dass Mateo bereits vor zwei Tagen verschwunden ist."
"Das hatte einen anderen Grund, Señor …"
Guzman machte ein angespanntes Gesicht; er würde es nicht noch einmal ruhig anhören können, dass die Polizei gegenüber sozial Schwächeren nachlässig war.
"… einen zweiten Grund!"
"Welcher wäre das?"
Sie zögerten; dem Mann brach Schweiß aus.
"Wenn ich Ihnen helfen soll, dann müssen Sie mir alles sagen."
"Mateo … er ist nicht unser Kind."

(S.44 – 45)

© 2018 Sonderzahl Verlag, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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