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Ein verborgenes Netzwerk – Zu Gast bei Alois Vogel von 1953 bis 1966

Einladungskarten von Alois Vogel
© Helmut Peschina
Fotos: Gerhard Spring

Ausstellung in der Bibliothek des Literaturhauses Wien von
30. Jänner bis 18. April 2019

In Alois Vogels Haus in Pulkau fand sich eine kleine Archivbox mit 124 grafisch gestalteten, meist illustrierten Einladungen, die sein Nachlassverwalter Helmut Peschina im Oktober 2017 der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur im Literaturhaus Wien übergab. Mit diesen in der Ausstellung nun erstmals gezeigten Kärtchen, Flyern und Zetteln, die Alois Vogel selbst illustriert und eigenhändig 'vervielfältigt' hat, lud er zwischen Oktober 1953 und Juni 1966 einmal im Monat zu überwiegend literarischen Abenden ein.

Als 'Gesamttext' gelesen ergeben sie das Bild einer bislang unbekannten Initiative zur Selbstorganisation im Literaturbetrieb der bleiernen Zeit vor dem kulturpolitischen Aufbruch Ende der 1960er Jahre – mit neuen Einblicken in den Karrierebeginn bekannter AutorInnen.

Die erhaltenen Einladungen belegen insgesamt 114 Abendveranstaltungen. Alois Vogel nannte sie "Dienstag-Abende", wohl in Anspielung an Stéphane Mallarmés legendäre Mardis (Dienstagstreffen). Doch Vogels "Dienstag-Abende" fanden mitunter auch an einem Montag oder Mittwoch statt, zunächst in der Wohnung des Ehepaars Gertrude und Alois Vogel im zweiten Bezirk. Ab Oktober 1957 traf man sich häufig in der Wohnung des befreundeten Ehepaars Josef Schertler im vierten Bezirk, und ab November 1964 in der noch unter Kulturstadtrat Viktor Matejka von Karl Gerstmayer gegründeten Kleinen Galerie, die sich bis 1997 in der Neudeggergasse im achten Bezirk befand.

Als die "Dienstag-Abende" im Oktober 1953 mit einer Lesung "aus eigenen Schriften" starteten, stand der 31-jährige Alois/Lois Vogel am Anfang seiner Schriftsteller-Karriere, sein erstes Buch, der Roman Das andere Gesicht, erschien erst sechs Jahre später. Trotzdem nutzte er die Abende eindeutig nicht primär als Bühne für sich selbst, aus eigenen Werken las er in den knapp 13 Jahren insgesamt nur fünf Mal. Bekannt geworden ist Alois Vogel später vor allem mit seiner Lyrik und den beiden Romanen Schlagschatten (1977) und Totale Verdunkelung (1980), die zusammen ein Epochenporträt vom Untergang der Ersten Republik im Februar 1934 bis zur Befreiung vom Nationalsozialismus 1945 zeichnen.

Beeindruckend ist die ästhetisch sehr breit gesteckte Verortung der AutorInnen, die Vogel eingeladen hat. Die Ausstellung erzählt jeweils kleine Literatur- und Bild-Geschichten rund um die verschiedenen Einladungskärtchen, etwa zu Lesungen von Christine Busta, Milo Dor, Vera Ferra-Mikura, Gerhard Fritsch, Hans Lebert, Theodor Sapper, Ilse Tielsch, aber auch René Altmann, Gerald Bisinger, Elfriede Gerstl, Ernst Jandl und Friederike Mayröcker.

Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung gilt der künstlerischen Gestaltung der Einladungen. Vogel spielte bei einzelnen AutorInnen wie Jeannie Ebner oder Alfred Gesswein mit Variationen bestimmter Bildmotive und setzte mitunter Sujets auch thematisch ein wie bei den sehr unterschiedlichen 'Flußromanen' von Gerhard Fritsch und Adelbert Muhr. Wo sich zu einer Veranstaltung zwei oder drei Kärtchen erhalten haben, wird ihr Unikat-Charakter besonders augenfällig.

Literarhistorisch bilden Vogels private Lese-Abende eine informelle Vorstufe zu professionalisierteren Organisationsformen: Ab 1964 gab Alois Vogel gemeinsam mit Alfred Gesswein in neun Ausgaben das Jahrbuch konfigurationen heraus. Im April 1971 erschien dann das erste Heft der heute noch existierenden Literaturzeitschrift Podium mit einem programmatischen Vorwort von Wilhelm Szabo.

Konzept: Evelyne Polt-Heinzl
Mitarbeit: Astrid Wallner

Grafik und Gestaltung: Gerhard Spring

Mit freundlicher Unterstützung der Literar-Mechana, Wien.

Eröffnung
Dienstag, 29.1.2019, 19:00
Es sprechen zwei ExpertInnen zu Alois Vogels Werk: Martina Schmidt (Deuticke Verlag) über die Arbeit an der 5-bändigen Werkausgabe (1998 bis 2002), und Michael Hansel, Betreuer des Nachlasses von Alois Vogel im Österreichischen Literaturarchiv / ÖNB. Im Anschluss beteiligen sich beide an einer improvisierten Wiederaufnahme der Dienstag-Abende, bei der Lyrik und Prosa-Beispiele von Alois Vogel und seinen beiden Mitstreitern Alfred Gesswein und Wilhelm Szabo vorgestellt werden. Als Ehrengast liest Ilse Tielsch, die 1965 bei einer von Vogels Veranstaltungen eingeladen war, eigene Texte.

Ausstellungsdauer
30. Jänner 2019 – 18. April 2019
Literaturhaus Wien, 1070 Seidengasse 13
Montag bis Donnerstag 9.00 bis 17.00 Uhr

Vom 2. September bis 14. November 2019 wird die Ausstellung in der NÖ Landesbibliothek in St. Pölten zu sehen sein.

Folder zum Download

 

 


 

 

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