Regina Hilber: Palas.

Leseproben


Per definitionem bezeichnet ein Palas einen repräsentativen Saalbau einer mittelalterlichen Pfalz oder Burg aus der Zeit der Romantik. Für mich ist der Beeskower Palas eindeutig weiblich konnotiert: Er bildet das Zentrum der Burganlage zwischen Spree und Spreearm, nicht nur seines baulichen Umfangs und des Festsaals wegen.
Er ist der Bauch der Niederungs- und Wasserburg, und dem Turm, dem Bergfried, gegenübergestellt. In diesen Bauch, in die weiche, warme Fülle hinter seinen Umrissen aus roten Backsteinen schütte ich alles hinein, was mich peripher für einen bestimmten Zeitraum umgibt. Eine Dichterin, die nirgendwo Halt hat im fremden Ostbrandenburg, braucht einen warmen Kern, in welchem sie das Geröll vom Geroll trennen kann. Ein Palas kann so ein Ort sein.

(S. 11)


FriedSONG I

auf den Burghof spuck ick
brauch keene Kemenate nich
mein Schwert ist mein Sold
wozu die trübe Brühe rühren
Blut ist mein Zoll

auf der Leine die Frolleins baumeln
bummeln zappeln schon
in Grunow die Nachbarfrolleins
eens und zwo
haben lange Augen immer voll

auf dicke Worte spuck ick
morgen schon kann et vorbei sein
ein Fried bin ick
brauch keenen Palas nich
nur Schwert und Eisen

(S. 38)


PalasSONG I

in deinem dicken Bauch will ick
verschwinden

in deinem dicken Bauch feste Mauern will ick
drinnebleiben

in deinem dicken Bauch will ick
ganz weich sein

(S. 43)


© 2018 Edition Art Science, St. Wolfgang