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Markus Jäger: Helden für immer.

Leseprobe

Mehr als hundert Jahre nach dem letzten großen Rausch war Veränderung das Gold, dem alle in San Francisco nachzujagen schienen. Auch nach diesem Gold musste mühsam gegraben und mit den Händen im Dreck gewühlt werden.
Doch vereinzelte Nuggets kamen zutage.
Die Erkenntnis etwa, dass es hier die Angst vor einem Paragrafen nicht brauchte, der pausenlos mit der Existenzzerstörung drohte. Die schockierende Neuigkeit, dass es sogar Männerpaare gab, die hier Hand in Hand auf der Straße spazierten.
Am hellichten Tag. Einfach so.
Es sollte Jahre dauern, bis Felix und Kilian sich an diese Freiheit gewöhnten. Für beide wirkte es wie die größte Neuigkeit ihres Lebens, dass nicht länger hinter jedem Satz, jedem Wort, jeder Geste in der Öffentlichkeit die Angst vor dem Gefängnis lauerte. Manchmal, wenn sie am Meer spazierten, blieben sie gleichzeitig stehen und ließen sich die pazifischen Winde ins Gesicht wehen, schlossen die Augen und konnten es nicht glauben. Hier durften sie tatsächlich durchatmen! Ihre Erinnerung an das Gefühl der Angst kehrte mit einer Regelmäßigkeit wie San Franciscos dichte Morgennebel zurück. Aber sie verzog sich wieder und lehrte sie eine Selbstverständlichkeit, die sie sich nie zu träumen gewagt hätten.
Sie hatten lange überlegt, ob sie ins "Black Cat" gehen sollten. Nach dem Konzert einer jungen Folksängerin, die wie Joan Baez sein wollte, waren sie losmarschiert und Cornelia hatte mit der für sie typischen Begeisterung gemeint, dass sie endlich auch einmal "in einen solchen Laden" wollte. Felix war so froh, dass die engste Freundin seines europäischen Lebens endlich wieder bei ihm war, dass er seufzend meinte: "Was immer du willst!" Für sie würde er heute überall hingehen. Auch wenn er keine große Lust darauf verspürte, im "Black Cat" mit der üblichen Kraftanstrengung das Gefühl zu unterdrücken, immer auf dem Sprung sein zu müssen. Denn letzten Endes diente auch die Schwarze Katze nur als Versteck. Auch Kilian konnte sich ein "Ich weiß nicht so recht" nicht verkneifen.
Die letzte Razzia war schon über ein Jahr her.
Die Blumenkinder versuchten dem Land ein friedvolles Antlitz zu verpassen. Eine Revolution der Liebe, die in San Francisco beginnen sollte. Ein Mythos, war Kilian überzeugt.
Er war bei solchen Gedanken immer geneigt, von einer Märchenprinzessin zu sprechen, die letztlich nicht der Realität entsprang, aber alle von ihrer Wahrhaftigkeit zu überzeugen vermochte, weil sie so hübsch war. Zumal im entspannten Zustand bekiffter Idylle die Grenzen zwischen Realität und Fiktion nicht so wichtig waren.
Wenn er mit Felix darüber sprach, waren sie in letzter Zeit immer wieder in Streit geraten. Felix hatte Marihuana vor einigen Jahren einmal mit Timothy probiert und war von den Auswirkungen so geschockt gewesen, dass er nie wieder zu einem Joint gegriffen hatte.
Sie waren bei George und Timothy zum Abendessen eingeladen gewesen. Und Timothy hatte sich einen Joint gebaut, als ob er eine ganz normale Zigarette drehen würde. Auch für Felix. Später auf dem Weg zum Auto hatte Felix sich kichernd an Kilian festgeklammert, der mit Drogen nichts zu tun haben wollte. Felix hatte mit surrealer Todesangst in der Stimme gelacht.

(S. 154-156)

© 2018 Querverlag, Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 




 

 

 

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