Stefan Schmitzer. okzident express. falsch erinnerte lieder.

Gedichte.
Graz: Literaturverlag Droschl, 2019.
72 S.; Klappenbroschur; Euro 16.
ISBN: 978-3-99059-028-7.

Autor          Leseprobe


sagt gecko eins

die kriege

gecko zweidie kriege

gecko eins
die lieder von den kriegen
gecko zwei
die kein mensch mehr singt die
kriegslielieder (61)
 

Stefan Schmitzer singt sie noch, die Kriegslieder, in seinem neuen Gedichtband "okzident express". Allerdings sind es, wie der Untertitel sagt, "falsch erinnerte lieder". Falsch nun jedoch (mindestens) in einem doppelten Sinne. Folgt man den einführenden (eigentlich: "einschwingenden") Worten des Grazer Autors, so ist damit gemeint: "wenn wir uns an das zeug erinnern das wir irgendwie irgendwann und sei es bloß jetzt im nachhinein daher im sinne der hashtag #autofiktion unsere hashtag #lieder genannt haben werden . dann erinnern wir uns falsch an die unschuld des richtigen" (8). Zum anderen (wobei man sich nicht sicher kann, dass es sich dabei wirklich um "anderes" handelt) meint "falsch" hier auch insofern "richtig", als aus Schmitzers "false memory" (als Teil der "cultural memory") ein Re-Writing als Remix-Writing klassischer wie alles andere als klassischer Texte entsteht.
Das (also "zum anderen") bedeutet nun natürlich auch: Man könnte die acht Lieder/Songs/Lyrics/Gedichte (statt einem Schräg- ist hier auch ein Bindestrich zwischen den Gattungsbezeichnungen möglich) in "okzident express" vor allem über ihre Intertexte lesen, zumal diese ja mustergültig [wiewohl – natürlich – bei der Lektüre auch ganz andere Inter-Texte in den Sinn kommen – (können)] angeführt werden, bei "II 'Tiger Mountain Flachdach'" zum Beispiel als:

Gerald Lind
20. Februar 2019

Originalbeitrag
Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.