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Robert Kleindienst: Zeit der Häutung.

Roman.
Innsbruck: edition laurin, 2019.
240 Seiten; geb.; Euro 20,90.
ISBN 978-3-902866-49-3.

Autor

Leseprobe

"Mit seinen Geschichten öffneten sich Türen und Tore, rückte der Tod in immer weitere Ferne", denkt die Protagonistin des vorliegenden sechsten Romans des Rauriser Förderungspreisträgers für Literatur, Robert Kleindienst.
Ana Sadak resp. bald Hanna Mack heißt sie und erinnert sich voller Zärtlichkeit an ihren Großvater, der ihr in seinen fantastischen Geschichten von eitlen Königinnen und Prinzen, standhaften Zinnsoldaten und verwunschenen Tieren erzählte. Aber die Welt, in die Ana Sadak hineinwächst hat so gar nichts mit jenem Traum zu tun, der ihr als Kind vorgegaukelt wurde, denn Ana wird mitten in die Wirren des Weltkrieges geworfen, in denen sie sich nicht nur als Mensch, sondern auch als Frau beweisen muss. Die kroatische Ustascha, die mit den deutschen Besatzern kollaboriert, die serbischen Tschetniks, slowenische Domobranzen und bosnische Handschar-Divisionäre dominieren das Geschehen in ihrer Heimat. Aber auch nach dem Krieg wird es nicht besser und es scheint, als würde sich alles mit "umgekehrten Vorzeichen" wiederholen.

Sadaks Liste und Tomas List

Ana arbeitet in einem Kinderlager der faschistischen Ustascha als Schwesternhelferin und kümmert sich selbstlos um das Überleben der kleinen Gefangenen. Der Aufseher des Lagers, Toma, ist ein brutaler Schläger, der auch schon mal zum Holzhammer greift, um aufsässige Kinder zu disziplinieren. Denn Toma will aus ihnen die Soldaten der Zukunft machen, die seiner Heimat, dem Großkroatischen Reich, zum Sieg verhelfen werden. "Es bedurfte eines letzten Vorfalls, der ihr mehr denn je vor Augen führen sollte, warum man die Heimkinder wie Marionetten hinter Mauern hielt und ihren Willen brach im Namen des Herrn." Als Toma Ana auffordert, eine Liste zu erstellen, um die kranken Kinder zu evakuieren und sie so von den gesunden zu trennen, glaubt sie an eine Chance auch ihren ihr vertraut gewordenen Nino, einen Flüchtlingsjungen, zu retten. Aber die Liste ist tatsächlich eine List Tomas: der Transport steuert einem anderen Ziel entgegen.

Gewissen und Schuld

"Am meisten graute ihr vor der Vorstellung, dass durch die ständige Arbeit am Abgrund der Abgrund irgendwann selbst in sie hineinzublicken begann, sie zu einem Ungeheuer verkam, ohne es zu merken.", schreibt Kleindienst treffend über Anas Situation. Denn nach dem Krieg, als die Kommunisten "mit umgekehrten Vorzeichen" dasselbe machen wollen wie zuvor die Faschisten, muss sich Ana aufgrund der oben erwähnten handschriftlichen Liste verstecken und es folgt eine abenteuerliche Reise über das Salzburg der Krimmler Tauern bis nach Genua, in Erwartung der rettenden Überfahrt nach Südamerika, Argentinien. Doch durch den Brief einer Freundin erreicht sie im Hafen von Genua, kurz vor Betreten der Philippa, des Schiffes, das schon so vielen das Leben gerettet hat, die Botschaft vom Überleben Ninos. Jetzt muss sich Ana entscheiden: Exil oder Heimat?

Epilog

Der in in Salzburg geborene Robert Kleindienst wuchs in Radstadt im Pongau auf und hat sich in seinem neuen Roman verdienstvoll einer u. a. auch im Dokumentarfilm Hôtel Terminus von Marcel Ophüls erzählten Geschichte angenommen, die hinlänglich bekannt ist, aber nicht gerne thematisiert wird: Über die sogenannte "rat line" via Rom und Genua schleuste der Vatikan zahlreiche nationalsozialistische und faschistische Verbrecher nach Südamerika. Auch wenn Kleindienst dies nicht explizit anspricht und "seine" Ana ja auch keine wirkliche Verbrecherin ist, dürfte sich der reale Hintergrund des Romans doch noch wesentlich tragischer gestalten als das Einzelschicksal seiner Protagonistin, die sich am Holzpferd ihres kleinen Nino festhält, als sie die richtige Entscheidung zu treffen hat.
Wer mehr zum Thema wissen möchte, findet Informationen in den Schriften des Historikers Michael Phayer (The Catholic Church and the Holocaust, 1930–1965) oder auch in der BBC-Serie Intrigue: The Ratline.

Jürgen Weber
25.02.2019

Originalbeitrag.
Für die Rezensionen sind die jeweiligen VerfasserInnen verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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