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Reinhard P. Gruber: Aus dem Leben Hödlmosers.

Ein steirischer Roman mit Regie.
Graz, Wien: Droschl, 1999.
110 S., geb.; öS 250.-.
ISBN 3-385420-526-0.

Link zur Leseprobe

In Zeiten, in denen die österreichischen Idyllen im In- und Ausland zu bröckeln beginnen, die Wein- und Walzerseligkeit von den politischen Scharaden übertroffen wird, ist es ein Trost, im Herzen unseres Landes eine österreichische Spezies zu wissen, die gegen alle politischen und gesellschaftlichen Veränderungen und Anfechtungen gefeit ist: die Rede ist natürlich vom Steirer.

Umfassend erforscht und klassifiziert wurde der steirische Menschenschlag erstmals in den siebziger Jahren von Reinhard P. Gruber, und bis heute ist seine Typolologie des Steirers in Feldsteirer, Waldsteirer, Flußsteirer, Bachsteirer, Bergsteirer, Gebirgssteirer und Alpensteirer gültig.
Der Autor veröffentlichte sein viel beachtetes anthropologisches Standardwerk "Aus dem Leben Hödlmosers" 1973 beim Salzburger Residenz Verlag. Maximilian Droschl hat es jetzt im Rahmen einer Reinhard P. Gruber-Werkausgabe zum rechten Zeitpunkt aus der Schublade geholt und neu verlegt. Gruber, selbst ein hellsichtiger Steirer, hat schon vor 30 Jahren erkannt, daß die politische Hoffnung Österreichs einzig im Bestand der Steiermark liegt.
"die steiermark zerfällt aus zufälligkeit, österreich aus notwendigkeit. die resistenz der teile ermöglicht die labilität des ganzen. das ganze existiert nur als labiles ganzes.
steiermak, das ist resistenz.
österreich, das ist labilität." (S. 6)

Anhand seines steirischen Prototyps Franz Josef Hödlmoser beweist Reinhard P. Gruber die Überlegenheit des steirischen Menschen gegenüber allen nicht-steirischen In- und Ausländern. Hödlmoser, ein Bauer aus Kumpitz bei Fohnsdorf nahe Judenburg, beschämt den Durchschnittsösterreicher mit seiner ungebrochenen Lendenkraft, die nicht auf fruchtbarkeitsfördernde Mittel angewiesen ist. Auf Anhieb zeugt er an einem sonnendurchfluteten Aprilmorgen auf einem moosbewachsenen Waldweg mit der Kuhmagd Fani Hinterleitner den Schurl.

Klare Wertvorstellungen und eine gesunde Ethik bestimmen sein Handeln. Im Unterschied zu den Restösterreichern lassen sich Hödlmoser und die Seinen unter keinen Umständen durch außersteirische Einflüsse beirren. Wie sehr diese lokale Verbundenheit die Charakterstärke fördert, zeigt exemplarisch folgende Wirtshausszene aus Köflach, die sich jedoch überall in der Steiermark abspielen könnte.
"köflacher bauer: 'wouhea beistn tou?'
obersteirischer bauer: 'neit fa to.'
k. b.: 'sou schaust a aus, tou bleita troutl!'
o. b.: 'hoiti papm, du westschtairische oaschsau!'
10 köflacher springen von ihren tischen auf." (S. 16)

Das weitere Leben Franz Josef Hödlmosers verläuft in geregelten Bahnen. Jede Handlung beweist aufs Neue seine überlegene moralische Geisteshaltung. Unglücklicherweise sind auch die Besten unseres Landes nicht vor dem Schicksal gefeit. Unbarmherzig trifft es Hödlmoser am Höhepunkt seines Lebens. Die Indiskretion eines niedrig denkenden Knechts zwingt den heißblütigen Helden, die Ehre seiner Frau Fani zu rächen. Der Tragödie erster Teil spielt sich in einem der beiden Kumpitzer Wirtshäuser ab. Hödlmoser verläßt die Wirtsstube als einzig Überlebender. Der Tragödie zweiter Teil findet im ehelichen Schlafzimmer statt. Er zerrt den jungen Pepi Gufler aus dem Ehebett und auf die Blutwiese. Im Angesicht des Todes erkennt er jedoch im Nebenbuhler seinen eigenen, wenn auch illegitimen Sohn, den er vor Jahren mit der Gufler Mirl gezeugt hat. Seine Hand zögert, und im nächsten Augenblick stürzt Franz Josef Hödlmoser im eigenen Blut zu Boden. Selbst Gott ist über diesen tragischen Tod erzürnt und verschüttet Kumpitz unter einem Bergrutsch.

Wie anders wären die Geschicke Österreichs verlaufen, hätten wir unseren steirischen Helden nicht verloren. Wie leicht hätte Franz Josef Höflmoser unser armes Land mit seinem wahren Steirertum, d. h. Österreichertum in den Augen der Welt rehabilitiert.
Was für ein Verlust für Österreich.

Anne M. Zauner
17. März 2000

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