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Leseprobe: Arno Geiger - "Irrlichterloh."

Die letzten Hochhäuser sinken hinter eine Kuppe, schauen bald aus, als hätten sie nur fünf oder sechs Stockwerke anstatt dreißig oder mehr. Strommasten spazieren noch eine Weile mit großen Schritten und voll unbekümmerter Behäbigkeit neben der Straße her. Doch schließlich gehen auch sie ihre eigenen Wege. Links und rechts vom Bankett setzt Leere ein, unsäglich, unantastbar unter dem scheinbar fehlerlosen Himmel aus Nylon, dem vis-à-vis das Straßenband ölig schimmert, wenn es dann und wann an Bodenwölbungen zu Luftspiegelungen kommt.
Es ist schon bemerkenswert, wie tief der Himmel heruntersinkt, wenn die Ebene bis zum Horizont reicht und die einsehbare Welt, das Runde, wie so oft, wieder einmal flach erscheint. Nur selten tut sich da und dort Wolkengekröse zu einem Haufen zusammen und steigt mit dem Näherkommen des Motorrads am Himmelsbogen auf wie eine Flocke Weiß auf dem Fingernagel eines dreizehnjährigen Mädchens. Selten zeigt sich der Flug eines einsamen Vogels oder Jumbojets, der vom Meer her seine Route Richtung Flugplatz nimmt. Und einmal sind zwei Kondensstreifen gekreuzt, wie Schwerter auf blauem Porzellan. Die Farben sind vertauscht. Das Porzellan ist nicht echt. Die Schwerter sind echt. Schartig und immer schartiger werdend sind sie an den Himmel geheftet als bloße Zierde. Als blanker Hohn. Blank, aber schartig, wie schon gesagt. Ausgezackt. Das Gefährliche ist versteckt, verborgen. Auch die Stare, die in Reih und Glied von einem Telefonkabel aus der immer größer werdenden Silhouette entgegenschauen, entdecken nichts Bedrohliches. Sie verharren auf dem Draht oder fliegen nur der Form halber auf, bedächtig, lautlos, kurz bevor die Maschine passiert. (S. 52f.)

© 1999, Hanser, München, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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