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Christoph Dolgan: Elf Nächte und ein Tag.

Leseprobe:

Der Schatten der Jalousie, sagte Theodor, fällt auf mein Gesicht. Sie lässt sich weder nach oben noch nach unten bewegen. Seit Jahren nicht. Sie ist stecken geblieben und nie repariert worden. Der gesamte Jalousiekasten müsste ausgewechselt werden. Alles müsste ausgewechselt werden. Wenn die Sonne am Nachmittag durch das Fenster fällt, nehmen die Lamellen beklemmende Ausmaße an. Sie sehen dann aus wie Gitterstäbe. In den Filmen, in den Büchern und sogar in der Wirklichkeit sind die Gitterstäbe in den Gefängnissen immer senkrecht angeordnet. Ich weiß nicht, ob das irgendeinen Sinn hat oder nicht, aber ich weiß, dass mein Gefängnis waagrechte Gitterstäbe hat. Und mit jedem Tag gibt es mehr Gitterstäbe in meiner Welt. Einmal habe ich die Couch vor das Fenster gestellt, um die Jalousien nicht länger anstarren zu müssen. Aber am Nachmittag hilft auch das nichts, dann habe ich die Schatten auf der Wand vor den Augen. Die Schattenstäbe sind weniger eindeutig, dafür aber breiter. Die Ränder verschwimmen, und wenn erst einmal die Ränder verschwimmen, dann weitet sich das Gefängnis aus, dann ist es früher oder später überall. Dann gibt es nur noch Gefängnis. Auch nachts, sagte Theodor, verschwinden die Stäbe nicht. Zwar kann ich sie in der Finsternis nicht sehen, aber ich weiß, dass sie da sind und immer da sein werden. Auch die Nacht ist ein Gefängnis.

(S. 144)

© 2019 Literaturverlag Droschl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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