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Raoul Schrott: Eine Geschichte des Windes

© 2019 Carl Hanser Verlag, München

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oder Von dem deutschen Kanonier der erstmals die Welt
umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal.
Roman.
München: Carl Hanser Verlag, 2019.
304 Seiten; geb.; 26 Euro.
ISBN 978-3-446-26380-2.

Autor

Rezension

Leseprobe – Abschnitt 50:

Da steht er nun auf der Plaza Mayor in Sevilla: er ist wieder da, aber nicht daheim und weiss nicht, wohin – aus ihm ist ja kein Juan geworden. Der Hannes von einst jedoch ist er auch nicht mehr – alle, die ihn als Rückkehrer einer Reise bewundern, welche einzig mit der des Noah sintemal vergleichbar ist, nennen ihn jetzt 'Ahnes' und begegnen ihm mit einer Ehrfürchtigkeit, die er für unverdient hält, denn er hat nur etwas überstanden, aber nichts wirklich geleistet. Das Verwegene, das sich ihm ins Gesicht gezeichnet hat, sieht er nicht – er merkt bloss, dass es ihm leichter fällt, manch alte Schüchternheit zu überspielen, ohne den Mund allzu voll zu nehmen, und dass er ein weiches Herz hat: denn was soll er all jenen sagen, die ihn umstehen und auf Auskunft drängen, was mit ihrem liebsten Mann, Vater, Bruder oder Sohn geschehen ist? Er kennt die wenigstens wirklich und weiss nur, dass die allermeisten auf qualvolle Weise umgekommen sind, verhungert, an Seuchen dahingeschieden, erstochen, aufgespiesst oder sonstwie. Also erfindet er lauter christliche Begräbisse und wird der tröstlichen Worte wie der Lügerei bald leid, er ist kein Pfarrer nicht, er möchte erst einmal in Ruhe ankommen und am liebsten auf der Victoria bleiben, auf seiner Matte zwischen den Bombarden, kann das aber nur, bis sie entladen ist (danach kommt sie ins Trockendock). Deshalb muss er sich eine Bleibe suchen, und er wähnt sich reich genug, um sich in einem guten Haus einzumieten, hat aber bloss eine Handvoll geborgte Maravedi in der Tasche, da die Casa de Contractación jedweden Sold verweigert: solange unklar ist, welcher Kontrakt mit welchem Schiff abgeschlossen wurde (obwohl er mit derselben landete, bleibt für die Buchhalter fraglich, ab wann und ob er überhaupt als Artillerie=Kapitän mit höherem Gehalt einzustufen ist), und auch diese Sache mit der Meuterei, über welche die vorzeitig zurückgekehrte San Antonio Bericht erstattet hat (von welcher sich bisher jedoch keiner hat blicken lassen), gerichtlich weiter ungeklärt ist, werden seine Ansprüche für null und nichtig erachtet und ergo auch der ihm zustehende Anteil am Verkauf der wertvollen Schiffsladung. Seinen Rubin aus dem vierten Säcklein des Carvalho – welches die Besatzung heimlich unter sich aufgeteilt hat – wagt er noch nicht zu verpfänden, weil er nun ja allseits bekannt ist wie ein bunter Hund: da würde gleich die Frage nach der Rechtmässigkeit seines Erwerbs aufkommen und auf ihn zurückfallen, ebenso wie bei dem Sack voll Nelken und Muskatnüsse, den er auf Tidore eingehandelt hat – denn alle Preziosen und Spezereien der Fahrt stehen einzig und allein dem Kaiser zu, der den guten Elcano zur Berichterstattung zu sich beordert hat. Der nimmt nun seinen Piloten und den Barbier Bustamante – der sich auf der Reise als brauchbarer Feldscher erwies – als Vertrauensmänner mit nach Valladolid und wird deswegen ausnahmsweise von der Casa de Contractación mit der dafür erforderlichen Kleidung und auch ein wenig Handgeld ausgestattet – anders als der Hannes, welcher sich mit einer wohlfeilen Spelunke begnügen muss, was ihn nicht weiter stört, weil sie ihm im Vergleich zu seinem bisherigen Quartier beinahe feudal erscheint, ebensowenig wie die Wirtsleute, welche mit seiner Person ruhmvollen Glanz unter ihr Dach einziehen sehen und die Miete vorerst ankreiden (denn wiewohl er recht maulfaul ist, rechnet es sich für sie doppelt, dank der Gäste, die seine Person an den Schanktisch lockt).

© 2019 Carl Hanser Verlag, München

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