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Markus Mittmansgruber: Austreibungen.

Leseprobe:

Jahrzehntelange Arbeit laugt einen aus, zwangsläufig, das geht nicht anders, das ist vorgegeben, natürlich, und lässt sich nicht ändern, sie laugt einen aus und frisst einen auf, von innen, von außen, und völlig egal, um welche Arbeitsform es sich handelt, wie und wo man sich abrackert und ruiniert: in einem Rohbau, an einem Schreibtisch, hiter dem Steuer eines Stückgguttransporters, in einer Boutique, hinter einer Bar, auf der ISS, einem Schrottplatz, einer Theaterbühne, an einem Ticketschalter, im Home Office oder in einem Coworking Space vor dem MacBook oder eben in irgendeiner Arzt-Ordi. Sie nagt einen ab, die Arbeit, langsam und genüsslich wie richtige Piranhas, ein Schwarm, der es Länge mal Breite auskostet, dass er vor kurzem gelernt hat, mit Gabeln zu essen. Begleitet einen auf Schritt und Tritt, ob man will oder nicht, gibt einem Tritte, immer wieder, gezielt auf die Schienbeine und von hinten auf die Kniekehlen, bleckt auf dem Handy die Mitteilungszähne, damit man sich ja nicht zu sicher werden kann, sich nirgendwo sicher fühlen kann, bis zum Burn-out, damit man ja kein Refugium welcher Art und wo auch immer aufbauen kann. Refugium, schönes Wort. Zugige Säulenhalle mit spiegelglatten Fliesen, wo niemand sonst ist, menschenleer, und in der Mitte blitzt eine blaue Toi-Toi-Baustellentiolettenkabine auf. Ja, auch ein blindes Huhn wie ich findet manchmal ein Wort ... und nicht nur der liebe Paul. Und wenn man sich dann vornimmt, in die Offensive zu gehen und abzuschalten, wenn man sich Meuterei vornimmt, den Aufstand probt, dann spürt sie das sofort, die Arbeit, und dann meuchelt sie einen erst recht schnell und gnadenlos, von hinten nimmt sie einem das sinnlose Pflichtbewusstsein aus der Hand und schneidet dir damit die Kehle durch, bevor du überhaupt in der Lage bist, dich umzudrehen, die Waffe zu heben, sofern du überhaupt noch eine parat hast, und abzudrücken.

(S. 25)

© 2019 Luftschacht, Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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