logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   
Facebook Literaturhaus Wien Instagramm Literaturhaus Wien

FÖRDERGEBER

Bundeskanzleramt

Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Leseprobe: Walter Grond - "Der Erzähler und der Cyberspace"

Die Bejahung des Durcheinanders durch postkoloniale Autoren verweist auf die Befreiung von Hierarchien und Konventionen. Wird der Schriftsteller wieder mehr Handwerker und Techniker, werden ihm die Hervorbringungen der sozialen Welt wichtiger als der formale Besitzstand im literarischen Feld. Muß er sich nicht mehr in Überbietungsformeln üben, kann er getrost aus dem reichen Fundus der Literatur schöpfen: Er kann Altes in neuer Form und Neues in alter Form erzählen.
Er muß nicht mehr Herrgott spielen - in Hypertexten, wie in der Naturwissenschaft üblich, kann er an einer anwendungsbezogenen Praxis teilhaben, die Theorien über eine von durchschaubaren Kräften gelenkte Welt hervorbringt. Wenn Literatur nicht mehr Unterwerfung von Kirchengängern bedeutet, wird der Schriftsteller nicht mehr gegen ein Publikum anschreiben, sondern um dieses Publikum werben. Weltzugewandtheit wird ihm viele Einsichten über das Bewußtsein eröffnen. Sobald Unterhaltung und Bildung nicht mehr strikt voneinander getrennt sind, darf er sich eingestehen, in seinem eigenen Leben weder das eine noch das andere missen zu wollen. (S. 119)

Nun habe ich inzwischen Simmels Roman Es muß nicht immer Kaviar sein gelesen, nicht anders, wie ich zum Beispiel Robert Musil zu lesen gewohnt bin. Kann es nicht sein, frage ich mich, daß Simmel vor dreißig Jahren etwas vorgeführt hat, was seit den späten achtziger Jahren - nicht zufällig zuerst im angloamerikanischen Raum - zum Standard der Cyberkultur geworden ist? Ist womöglich Simmel ein Urvater von Trashliteratur wie von Hypertexten? Einer Literatur, die sich aller komplexen Darstellungsformen bedient, um sie als ein kalkuliertes Melodram zu unterlaufen, eben weil nicht mehr das Mißtrauen des Autors gegenüber seiner eigenen Lebenswelt den Text regiert, sondern das Spiel mit verschiedenen Aggregatzuständen, die er zu entwerfen in der Lage ist? (S.126)

© 1999, Haymon, Innsbruck.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Super LeseClub mit Diana Köhle & David Samhaber – online

Mo, 15.06.2020, 18.30-20.30 Uhr Leseclub für Leser/innen von 15 bis 22 Jahren Du willst dich mit...

Junge LiteraturhausWerkstatt – online

Mi, 17.06.2020, 18.00–20.00 Uhr online-Schreibwerkstatt für 14- bis 20-Jährige Du schreibst? Du...

Ausstellung
KEINE | ANGST vor der Angst

virtuelle Ausstellung 6. April bis 30. Juni 2020 www.erichfriedtage.com Besuchen Sie die...

Tipp
flugschrift Nr. 31 QUEEN OF THE BIOMACHT von Sophie Reyer

Auf der neuen flugschrift www.flugschrift.at/ der Autorin und Komponistin Sophie Reyer treffen sich...

cfp-Einreichfrist: 31. Juli 2020

Nachwuchswissenschaftler /innen sind eingeladen, ihr Dissertationsprojekt im Rahmen einer...