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Leseprobe: Reinhard P. Gruber - "Im Namen des Vaters."

DER VATER UND DIE DANKBARKEIT DES SOHNES
Wenn ich dann in Pension gehe, werde ich mit meiner Frau ins Obergeschoß ziehen, und die Kinder können unten wohnen.
Sie sollen es auch einmal schön haben.
Ein Haus brauchen sie dann nicht mehr bauen, weil ich es schon selbst gebaut habe.
Hier können sie wohnen, solang sie wollen.
Bis dahin ist auch der Kredit schon zurückgezahlt.
Sie werden es viel einfacher haben. [...]
Der Bub wird es einmal schöner haben. Urlaubsreisen wird er sich leisten können, überallhin.
Mir war das Haus wichtiger als der Urlaub.
Aber er hat ja dann das Haus.
Dafür kann er uns dann in den Urlaub mitnehmen.
(S. 6)

DER VATER HAT EIN VERHÄLTNIS ZUR MUTTER
Früher, vor dem Kinderkriegen, hatte die Mutter große pralle Brüste, schönes langes dunkles Haar, eine schmale Taille und schlanke Beine. Heute hat sie sich in ihr Gegenteil verkehrt. Ihre Brüste hängen, ihr Haar ist kurz geschnitten, um die Mitte ist sie dick, und ihre Beine sind plump. Dafür ist sie heute viel fleißiger als früher, sagt der Vater. (S. 35)

MEIN WOHLBEFINDEN Etwas Besseres als meinen Beruf kann ich mir nicht vorstellen.
Ich meine vor allem die Bezahlung.
Wie interessant ein Beruf ist, hängt davon ab, wieviel Annehmlichkeiten er bringt.
[...]
Wer für die Massen schreibt, muß so schreiben, daß ihn die Massen verstehen können.
Und soll das Geschriebene Erfolg haben, dann muß es von den Massen akzeptiert werden können.
Das heißt nicht, daß ich keinen persönlichen Stil pflege, der ist sehr wichtig.
Mein Erfolgsrezept ist so einfach wie sicher: im Durchschnitt verstärken achtzig Prozent meiner Artikel die Volksmeinung, die restlichen zwanzig Prozent reichen für Aufklärung im Sinne der "Liberalität".
[...]
Es ist klar, daß ich zur jeweiligen Regierung, die die Belastungen verordnet, in Opposition stehe.
Welche Partei an der Macht ist, ist mir egal.
Ich werde immer dafür eintreten, daß die jeweilige Opposition an die Regierung kommt, damit sie es besser macht.
Es ist eine einfache Rechnung; ich gebe dem Volk, was es braucht, und hole mir dafür vom Volk über den Zeitungsbesitzer, was ich brauche.
Mit Gesinnungslosigkelt hat das nichts zu tun.
Eher mit meinem Lustgewinn.
[...]
Ob wir wollen oder nicht, es muß eben Leute geben, die die Meinung machen, und Leute, die die Meinung haben.
Ohne Eliten ist eine Demokratie ohnehin undankbar, ich meine undenkbar. Das kann ich sagen, ohne ein sturer Anbeter der Demokratie zu sein.
Wenn es nur danach ginge, was der Mob will, gäbe es längst keine Demokratien mehr.
Auch Demokratien brauchen eine starke Hand; sonst könnte sie sich selbst nicht überleben.
Ob das allerdings ein Unglück wäre, müßte sich erst zeigen.
Die verdammte Gleichmacherei marxistischer Machart, die den miesesten Hurenbock, den letzten Dreck aus der Gosse, auf dieselbe Stufe stellen will wie die geistigen Führer eines Volkes - die hätte jedenfalls ihr Ende.
Alle, die einen Götzen anbeten, möge er Fortschritt, Gleichberechtigung, Konsum oder wie auch immer heißen, sind mir verhaßt.
Das soll nicht heißen, daß ich für diese Ziele nicht eintreten würde; - wenn sie mir etwas bringen.
Aber der Götze, dem ich diene, ist nicht irgendeine unbegreifbare Idee, sondern das bin ich selbst, und mich kann ich angreifen.
Ich selbst kann daher gar kein Götze sein für mich, sondem das einzig mögliche Ziel.
[...]
Mein Vater zum Beispiel hat einen ganzen Tempel voll von solchen Ideen.
Er - und seine Generation! - hat den Kopf voll von erniedrigenden höheren Ideen.
Er betet den sozialen Aufstieg und damit die Anerkennung durch die Umwelt an, das Kapital und damit die erniedrigende Arbeit, die ihm Freizeit gewährt, um diese Arbeit zu vergessen.
Er lebt um zu arbeiten, um von der Arbeit loszukommen.
(S. 153ff.)

(c) 1998, Droschl, Graz, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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