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Katharina Tiwald: Macbeth Melania.


Leseprobe:

XXIII UND DANN

»Du weißt schon, dass das ein extrem kurzlebiges Stück sein wird?« sagte Mike zu der Tiwald, die gerade im Augenblick schwelgte und im Wissen, dass man im Augenblick schwelgen muss, weil sonst alles nichts ist. Sie sagte glücklich: »Ich weiß«, und Mike, der seine erschütterten Grundfeste noch nicht wiedererrichtet hatte, bohrte nach: »Und in fünf Jahren werden die kleinen Kinderlein, die in deiner Klasse sitzen, fragen: Tramp wer? Nie gehört, wer soll das sein?, und du wirst sagen: Schlag mal das Buch auf Seite hundertsechsundvierzig auf. Dieser seltsame Mann war einmal Präsident der USA, die einmal die führende Macht der sogenannten freien Welt waren. Und du wirst denken: Ja, wir sind in einer Welt gelandet, in der Wissen uncool geworden ist, und du wirst dich glücklich schätzen können, wenn du dich davon abhältst, schon im Lauf des Vormittags ein Gläschen …«
»Wart mal«, sagte die Tiwald und musste lächeln. »Ich stehe gerade am Gang meiner Schule und tippe dieses Kapitel. Gerade eben fragt mich Patrik (›ohne C, Frau Tiwald, ohne C, passiert den Besten von uns!‹), was ich da schreibe, er missversteht mich, er glaubt, ich sage ›Brief‹ und fragt: ›An die Bundesregierung?‹, und ich sage: ›Nein, ein Buch‹, er fragt mich, wie es heißen wird, ich sage: ›Macbeth Melania‹, und er fragt mich: ›Was heißt das?‹ Ich erkläre: ›Macbeth ist … was habe ich dir gerade erklärt, als du mich gefragt hast?‹ ›Macbeth ist ein Theaterstück‹, sagt Patrik – ›Von …?‹, tease ich, und er sagt: ›William Shakespeare, und Melania ist die Frau von Trump.‹ Siehst du? Ich muss kein Achterl Wein am Vormittag trinken, weil meine Schüler nämlich super sind. Und Patrik hat diese Zeilen mitgeschrieben und muss jetzt lachen.«
Dann drehte sich die Tiwald zum Publikum, sagte: »Dieser Inhalt wird sich von selbst zerstören« und musste auch lachen, diabolisch und herzlich.

(S. 142 – 143)

© 2020 Milena Verlag Wien

 

 

 

 

 

 

 

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