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Roman Markus: Dings oder Morgen zerfallen wir zu Staub.

Leseprobe: 

Die Stadt hat sich uns am Ende des Tages zu Füßen geworfen. Gebuckelt kniet sie da, wagt es nicht aufzuschauen und lässt uns über sie bestimmen.
In unbestimmter Entfernung rauscht der Verkehr, rollen leuchtende Punkte wie Nervenimpulse, sind da Häuser in der Größe von Modellbauten, aber das alles ist unter uns.
Wir stehen auf der Dachterrasse eines Wohnblocks, der Wind pfeift uns um die Ohren, flüstert zärtlich Worte über den Sommer hinein. Der Ausblick ist phänomenal, dabei tun wir gar nichts Verbotenes. Das Dachschwimmbad ist zwar schon geschlossen, doch Jo hat uns irgendwie die Türen geöffnet. So stehen wir also da, es wird schon frisch, ich spüre den Luftzug durch meine Haare, an meinen Armen. Der Himmel sieht aus wie aus einer anderen, fremden Welt. Rote Wülste hängen über uns, sanfte Wellen, orange Rundungen.
Es wird Abend und immer später. Um uns nur Schatten. Vereinzelt gehen Lichter an, die Gebäude sehe ich als dunkle, seelenlose Kästen. Ein einsames Flugzeug schiebt sich den Wolken entgegen, es ist eine Randnotiz, ein Beistrich am Abendhimmel.
Genügend meiner Sinne werden angesprochen, um einen in mir schlummernden Trieb zu aktivieren. Beim Anblick des Sonnenuntergangs fühle ich mich von allen Lasten befreit. Für solche Momente kann man leben, denke ich, sie wiegen alles auf, machen den Rest vergessen.
Der Verkehr schwillt zu einem Getöse an, am Horizont erblicke ich die Umrisse von Baukränen, kann sogar noch einen Presslufthammer hören. Die Nacht kommt, wir bleiben. Trauriger Elektropop, von wo auch immer der gerade herkommen mag. Wie von Zufriedenheit besoffen steht Jo am Geländer und stützt sich ab, ich habe nicht so darauf geachtet, aber sie hat den Großteil des Ofens alleine weggeraucht und wirkt sogar für ihre Verhältnisse gut beinander. Neben ihr stehe ich, zünde mir eine Zigarette an und blase den weißen Rauch durch meine Nasenlöcher. Kopfschmerzen hab ich gekriegt, kann aber auch an der Hitze und dem Aufguss im Auto liegen. Vielleicht wirkt das Gras bei mir aber doch, und deswegen höre ich diese traurige, erstaunlich klare Elektropopmusik, einzelne Wörter kann ich nicht verstehen, dafür fühle ich den Sinn umso mehr.

(S. 99–100)

© 2020 Literaturverlag Droschl, Graz

 

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