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Olga Flor: Morituri.

Leseprobe:

Bürgermeisterin

Auf dem Schreibtisch im Bürgermeisterinnenbüro stand eine Lampe, an der Lampe hing ein Lebkuchenherz, dessen rustikale Mitte mittlerweile so hart geworden war, dass man sie vermutlich mit einem Hammerschlag zu Staub hätte zertrümmern können. Auf dem Aktenschrank mit Rollladenschiebetür thronte eine hölzerne Uhr, aus der zu jeder vollen Stunde ein Trachtenpärchen hervorkam, sich um die eigene Achse drehte und wieder verschwand. Das Objekt war geschickt so platziert worden, dass die Figuren die Sitzecke im hinteren Raumteil wunderbar im Auge behalten konnten, und Susi richtete die meisten Besprechungen so ein, dass ein Auftritt des Pärchens an ihrem Anfang stand, was die Stimmung löste und meist auf freudige Zustimmung stieß, die die Bürgermeisterin mit dem Hinweis, es sie ihr leider noch immer nicht gelungen, das leidige Nachgehen der Uhr zu beheben, für den Gesprächseintritt verwenden konnte: Es kam immer gut an, wenn man lässliche Schwächen lächelnd eingestehen konnte, und was schmeichelte einer bürgerlichen Politikerin, als die sie sich trotz aller Unterstützung durch gewisse, nun, rechtskonservative Kreise verstand, mehr als das Eingeständnis, nichts von Technik zu verstehen? (Irgendjemand, sie erinnerte sich, hatte es besonders lustig gefunden, in der Burgruine nicht nur einen Pranger, sondern auch eine Guillotine aufzustellen. Ist aber immerhin Grenzland hier, das seine Unruhe in Buckeln und Pfützen ausformt.)

Ein Vertreter des Vereins zur Pflege autochthoner Nutzpflanzensorten hatte sich angesagt und wollte etwas zum Thema Imkerei mit ihr besprechen, sie hatte den Verdacht, dass er gar kein konkretes Anliegen hatte, einer von den Zeitfressern war, die Aufmerksamkeit aufsaugten wie ausgetrocknete Erde den Regen. Sie hatte das Fenster geöffnet, am Hauptplatz verkündeten zwei zerknautschte ältere Herren zum Klang der Hammondorgel einer gewissen Veronika, nein, nicht, dass der Lenz da sei. I bleib heit Nocht bei dia, drohte der erste, der zweite legte nach: bis morgen in der Fria. Herbstjahrmarkt, man konnte nicht mehr lüften. Falada, sang die Bürgermeisterin, drei Silben formten eine leichtfüßige Kadenz, die fallbeilschnell beschleunigte.

(S. 53f)

© 2021 Jung und Jung Verlag, Salzburg und Wien

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