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Eduard von Habsburg: Die Reise mit Nella.

München,
Wien: Thiele Brandstätter, 2008.
320 S.; geb.; Eur 20,-.
ISBN 978-3-85179-016-0.

Link zur Leseprobe

Die alte Reisemetapher gar nicht ausgelutscht...

Eduard von Habsburg-Lothringen, der Mann mit dem ebenso klangvollen wie geschichtsträchtigen Namen, promovierter Philosoph und Drehbuchautor, legt im Thiele-Verlag Wien sein Belletristik-Debüt vor: "Die Reise mit Nella". Dem 40-jährigen Autor kam dabei seine Erfahrung als Drehbuchautor zugute, denn der Roman liest sich nicht nur flüssig, er wirkt wie selbst erlebt und profitiert von authentischen Dialogen und Protagonisten.

Dies sind Nella, Richard und David, die sich seit ihrer Kindheit kennen. Unvergessen bleibt ein gemeinsam verbrachter Sommer auf dem Schloss von Richards Großvater Fürst Edgar von Weihbrunn-Odenthal. Damals versprachen sie einander, als Erwachsene auf den Spuren Alexanders des Großen zu reisen. Doch dann bricht der Kontakt mehr oder weniger ab. Bis zu dem Tag in der Lese-Gegenwart, als Richard, inzwischen Drehbuchautor, eine Einladung Nellas zu eben dieser Reise bekommt. Sie, das begehrte und berühmte Fotomodell, er selbst und David, der als Banker in London lebt, sollen sich treffen und gemeinsam einen Teil des Alexanderwegs bereisen.

Richard ist von Nella fasziniert, von ihrer Schönheit, ihrem italienischen Temperament. Aus der Ferne hat er sie immer beobachtet und sich mit anderen Fans ausgetauscht. Denn Richard ist Mitglied des Nella-Rocacci-Fanclubs, den er als seine Familie bezeichnet, das Internet-Portal "Roccaci Rocks" besucht er mindestens einmal täglich, insbesondere nachdem er während einer Geschäftsreise Nella rein zufällig trifft: "Ich bin seit jeher ein Nella-Fan, aber seit unserem Treffen im Flugzeug in Basel bin ich überdurchschnittlich häufig in dieser Homepage eingeloggt, so dass mein gesellschaftlicher Umgang darunter gelitten hat." Diese Fanseite lässt Richard Nella nahe sein auf eine Art, wie die Leserinnen der bunten Blätter dem Adel nahe sind: angewiesen auf Klatsch und Tratsch, ihre eigene Tendenz zur Vereinsamung mit diesen Geschichten überspielend. Obwohl sowohl Nella als auch Richard und David sich durch ihre Herkunft in der Welt des Adels bewegen und somit einen gemeinsamen Hintergrund haben, übernimmt Richard, der auf den Verkauf seiner Drehbücher angewiesen ist, seinem adeligen Großvater zum Trotz den bürgerlichen Part. "Nella und David hatten Geld, gehörten zu einer Gesellschaft, in der Koffer aus dem Museum oder der Luxus-Boutique kommen. Sie mussten eine ähnliche Art von 'cool' haben. Ich dagegen war anders. Ich lebte ein bürgerliches Leben und verdiente mein Geld nicht mit Charities oder NGOs oder Hedge Fonds oder so was." Nein, Richard bewohnt eine Eindreiviertel-Zimmer-Wohnung und packt ganz unprätentiös seinen Smoking in den Rucksack, mit dem er reist.

Richard liebt Nella, ist aber (noch) nicht bereit, sich dieser Liebe in aller Konsequenz zu stellen, er liebt aus der Ferne. Und nun kommt diese Einladung, sich eine Woche lang auf den Alexanderweg zu begeben, zu von Nella aufgestellten Regeln, unter Einbindung von Vor-Hochzeits-Festen. Am Ende des Alexanderwegs soll nämlich Nellas Hochzeit mit einem reichen Italiener aus alter venezianischer Familie stehen. Diese Vermählung begeisert Richard naturgemäß nicht gerade, doch er ahnt, "dass in diesem Moment ein wildes Abenteuer begonnen hat."

Erzählt wird aus der Perspektive Richards, eingeschoben sind einige Rückblenden in den letzten gemeinsam verbrachten Kindheitssommer. Diese lassen den Leser die Konstellationen und Charaktere erkennen, die schon in der Jugend unterschiedlicher nicht sein konnten. Richard ist zurückhaltend, Nella geheimnisvoll, gibt sich aber auch extrovertiert, David ist ein Zyniker.
So überrascht es nicht, dass Nellas Vorgaben für den Alexanderweg keine gewöhnliche Reise erwarten lassen:
"1. Die drei Teilnehmer werden von Mitte August gemeinsam eine einwöchige Reise durch Europa unternehmen und dabei drei Feste besuchen. Das letzte Fest ist Nellas Hochzeit. 2. Die drei Teilnehmer werden bei dieser Reise immer im selben Zimmer wohnen und auch sonst, wo möglich, die gesamte Zeit miteinander verbringen. 3. Niemand darf über den Alexanderweg sprechen. 4. Niemand darf den Alexanderweg vor dem Ende verlassen."

Nellas Beweggründe, sich so kurz vor ihrer Hochzeit an den Alexanderweg zu erinnern und ihn gehen zu wollen, erklärt sie weder in der Einladung noch später, sie verlangt jedoch eine minutenschnelle Entscheidung.
Es wird eine Reise, die die drei Teilnehmer zusammenbringt, sie aber auch immer wieder auseinanderdriften lässt. Regeln werden gebrochen, neu aufgestellt. Insbesondere durch Davids Zynismus kommt es zu emotionalen Verwicklungen, auch Richard wird gequält von Eifersucht sowohl auf David als auch auf Nellas Verlobten. Mehr oder weniger stehen sich alle drei selbst im Weg, warten darauf, dass einer den ersten Schritt tut. Ausgerechnet Richard begeht in seiner Hoffnungslosigkeit einen folgenschweren Fehler, mit dem er Nellas Zuneigung und Freundschaft für immer verlieren könnte. Doch dann kommt er einem Familiengeheimnis, das sowohl Nella als auch David betrifft, auf die Spur. Dies leitet einen Show-down am Ende dieser Reise ein, lässt Richard noch einmal alles auf eine Karte setzen.

Die Reisemetapher ist natürlich nicht neu, und auch hier steht sie symbolisch für die Reise zu sich selbst und die Erkenntnis, was man erreichen will. Aber Eduard von Habsburg ist es gelungen, diese Metapher nicht als ein Zitat von Vorgängerromanen zu gestalten. Er hat das alte Thema Liebe als Grundformel für einen neuen, eigenständigen und gelungenen Roman genutzt.

 

Eva Magin-Pelich
21. April 2008

Originalbeitrag

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