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Leseprobe: Batya Horn und Christian Baier (Hrsg.) - "Pedanten und Chaoten."

Leseprobe aus Zofia Chudás "Die Schenke":

Die Männer waren alle schon sehr betrunken. Ständig riefen sie nach mir. Gar nicht rasch genug konnte ich ihnen ihr Bier zapfen und ihnen Schnaps einschenken. Die ganze Zeit hämmerte es in meinem Kopf: Heute ist es soweit. Heute ist es soweit.
Nachdem Milan und Bohumir sich ausreichend zu ihrem Geschäft beglückwünscht hatten und ihre Schultern schon schmerzten von den vielen Schlägen, die ihnen versetzt worden waren, fingen sie an zu singen, wie man das bei uns in den Schenken tut. In ihre Lieder flochten sie meinen Namen, und das sollte wohl heißen: Jetzt ist es soweit.
Und dann tauften sie mich.
Wie unabsichtlich stieß Milan sein Bierglas um. So rasch konnte ich gar nicht zurückspringen, daß ich nicht die volle Ladung abbekam.
Mädchen, stieß er wie erschrocken über seine Ungeschicklichkeit aus, mein schönes Mädchen, das tut mir so leid, entschuldige bitte. Er holte ein Tuch und fing an, an dem nassen Fleck auf meinem Bauch herumzureiben. Ich hielt still und spürte, wie mir das Bier an den Beinen hinunter in die Schuhe rann.
Entschuldige tausendmal, meine Allerschönste, ich habe es nicht absichtlich getan, sagte er und schickte sich an, vor mir niederzuknien und mir die Beine trocken zu reiben mit dem Tuch. Das aber ließ ich nicht zu und sagte: Lassen Sie nur, das macht nichts, Das macht nichts, sagte einer der anderen, das macht ihr nichts. Milan, steh auf und laß das, sie sagt, sie ist gerne naß. Alle lachten schallend auf, fast wie ein Schrei klang es. Milan hörte aber nicht auf, an meinen Beinen herumzuwischen, und ich mußte ihn abschütteln wie einen jungen Hund, der an einem hochspringt, weil er spielen will.
Als nächstes kippte mir Bohumir den Inhalt seines Schnapsglases über die Hand, ergriff sie und wollte sie trockenlecken, weil, wie er sagte, es doch ewig schade sei um den guten Schnaps.
(S. 32f)

© 2008 Edition Splitter, Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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