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Leseprobe: Lina Hofstädter - "Hungrige Tage."

Bin nicht bei der Sache, fühle mich verschwommen. Der gestrige Abend rumort nach: die wie immer zu späte Erkenntnis, mich ausgeliefert zu haben. Die Fallen so vielfältig getarnt. Man fängt dich mit diesem, mit jenem Trick. Das Endergebnis stets dasselbe. Um meine Gleichgültigkeit gegenüber Zerneddens Meinung zu beweisen - oder aus ohnmächtigem Zorn - habe ich sämtliche Vorsätze für heute verworfen. Esse nach Herzenslust und liste für die Therapie die Sünden auf. Auch die Peinlichkeiten zwischen Swatzek und Manuela. Soll Z. sich mal ein paar Gedanken darüber machen, wie Männer mit von ihnen abhängigen Frauen... (naja, was die Frauen dazu beitragen, kann auch nicht ganz unterschlagen werden). Er soll nicht glauben, dass nur ich so eine! Überhaupt war ich damals zu jung - Halt! Jetzt ehrlich: Was war denn kürzlich, als Zernedden Renate so ansah? War da nicht ein Stich, so ein ganz kleiner, von Eifersucht? Und wenn er dich, mal nur gesetzt den Fall, einladen würde, sagen wir zu einem Abendessen oder einem Kinobesuch? Wenn er dich dann...? Würdest du auf so was nicht mehr hereinfallen? Hättest du diesmal rechtzeitig das Nein parat? - Molly, Molly! Fängst du wieder zu träumen an? Deine Mutter hatte Recht: Du bist hoffnungslos! Da sehe ich den Neid der Zukurzgekommenen! - Aber nein! Du siehst das falsch!, widerspreche ich mir selbst. - Erstens darf er das gar nicht, ich meine, mit seinen Patientinnen, und zweitens: Wenn ich nicht dick wäre, hätte ich so was bestimmt nicht nötig, das Träumen, meine ich. Da hätte ich meinen Stolz, vielleicht hab ich ihn sogar noch jetzt... Und an manchen Tagen geht einem eben alles auf die Nerven. Die Vergangenheit, die Gegenwart, alles. Und Manuela am allermeisten. Warum sollen ausgerechnet Dicke stets gutmütig sein?

© 2002, Milena Verlag, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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