logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

Mai
Mo Di Mi Do Fr Sa So
18 29 30 01 02 03 04 05
19 06 07 08 09 10 11 12
20 13 14 15 16 17 18 19
21 20 21 22 23 24 25 26
22 27 28 29 30 31 01 02

FÖRDERGEBER

  BMUKK

  Wien Kultur

JAHRESSPONSOR

  paperblanks
kopfgrafik mitte

Gerhard Haderer : Das Leben des Jesus.

Mit Bildern von Gerhard Haderer.
Wien: Ueberreuter, 2002.
o. p. (40 S.), geb.; EUR/A 14.90.
ISBN 3-8000-3863-3.

Wer hätte das gedacht?
Da publiziert ein anerkannter österreichischer satirischer Zeichner ein kleines, aber feines Bildbändchen bei Ueberreuter, und die katholische Kirche steht Kopf. Niemand geringerer als Kardinal Schönborn protestiert im "Namen der vielen Kinder und Alten, einfachen Menschen und Akademiker" gegen Gerhard Haderer, besagten Zeichner, und sein Buch "Das Leben des Jesus".

Die österreichische Presse greift die Sache genüsslich auf. Die Kulturseiten biegen sich vor Lachen, und sogar der sonst so schweigsame Bundeskanzler meldet sich zu Wort und spricht von "Schundzeichnungen". Eine Causa ist geboren.

Gerhard Haderer hat eine spitze Feder, das ist den Lesern von "profil" und "Stern" bekannt, wo der Zeichner regelmäßig Karikaturen veröffentlicht. Es war damit zu rechnen, dass er mit seinem neuen Buch, das die katholische Kirche aufs Korn nimmt, kein Halleluja anstimmt. Doch über die Kirche lacht man hierzulande immer noch nicht ungestraft. Oder wenn schon ungestraft, dann wenigstens nicht unkommentiert.

In "Das Leben des Jesus" porträtiert Haderer den Heiland im wahrsten Sinn des Wortes als liebenswürdig weggetretenen Träumer, der seine göttlichen Inspirationen über die Nebelschwaden des Weihrauchkessels inhaliert, den er wie der Haschischjunkie sein Chillum ständig bei sich hat. Er ist permanent und wunderbar high. Gerhard Haderer untermauert seine zugegebenermaßen etwas brustschwache Vision damit, dass im Weihrauch derselbe rauscherzeugende Wirkstoff THC wie im Haschisch vorkommt. Die neutestamentarischen Wunder, die der benebelte Gottessohn bei Gerhard Haderer vollbringt, sind jedenfalls nicht ganz so wunderbar wie in den Schriften der Evangelisten. Jesus stolpert traumwandlerisch in sie hinein und - hier kommt der wahre Religionsfrevel, seine Jünger, sprich die katholischen Kirchengründer, machen von Anfang an viel Aufhebens davon, um sich schon frühzeitlich die Pfründe zu sichern. Sie mästen sich wie fette Aasgeier am selig berauschten Gotteskind.

Natürlich war die Kirche immer wieder gut für medienwirksame Erregung. Martin Scorseses schwülstiger Film "Die letzte Versuchung Christi" führte in den achtziger Jahren zu erregten Demonstrationen und Gegendemonstrationen, wie auch der herrlich aberwitzige Monty Pythons Film "Das Leben des Brian" in den Siebzigern. Warum aber in Gottes Namen Gerhard Haderers Büchlein für derartige Aufregung unter den Kirchenfürsten sorgt, ist schlicht unverständlich. Es ist treffend gezeichnet, keine Frage, die Idee dahinter gelegentlich zum Schmunzeln, aber mehr schon nicht. Eine satirisch augenzwinkernde Fußnote zur Kirchengeschichte, aber sicher keine Blasphemie, die, wie sich Kardinal Schönborn verstieg zu behaupten, "Fundamente der Demokratie" unterminierend.

Ewas Wunderbares hat die Sache jedenfalls. Für Gerhard Haderer nämlich. Sein Buch verkauft sich glänzend.

 

Anne Zauner
15. April 2002

Originalbeitrag

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Österreichischer Schriftsteller/innenverband - "Tore statt Grenzen"

Mi, 22.05.2013, 19.00 Uhr Lesungen Reet Kudu, geb. in Tartu/Estland, lebt in Tallin; studierte...


Ausstellung
Hanno Millesi Neo-Geo

04.04.2013–27.06.2013 Bildnerische Arbeiten gehören seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit...


Tipps
flugschrift

flugschrift Nr.4 - gestaltet von der Autorin und Fotografin Petra Coronato - ist ab sofort im...


BÜCHERFLOHMARKT

Noch bis 29. Mai 2013 findet im Foyer des Literaturhauses, Seidengasse 13, 1070 Wien,  ein...