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Alma Hadzibeganovic: ilda zuferka rettet die kunst.

Wien: edition exil, 2001.
102 S., brosch.;
ISBN 3-901899-06-5.

Link zur Leseprobe

"ilda zuferka rettet die kunst" ist die erste Einzelpublikation der 1972 in Bosnien-Herzegowina geborenen und seit 1992 in Wien lebenden Autorin Alma Hadzibeganovic. Das schmale und handliche Bändchen ist ein Ausloten von literarischen Möglichkeiten, es versammelt Lyrik, kurze Alltagsausschnitte, ein Spiel mit Fragmenten einer Reportage, ein kleines Theaterstück und sogar ein ironisch-hymnisches Gedicht, das als Text für eine Performance mit Musik gedacht ist. Es zeigt, wie experimentierfreudig und neugierig offen in sehr viele Richtungen Hadzibeganovic ist, die 1997 den Hauptpreis beim frisch ins Leben gerufenen Literaturpreis "schreiben zwischen den kulturen" mit ihrem Text "zz00m: 24 Std. mix 1. of me oder Penthesilea in Sarajevo" gewonnen hat.

Bereits damals hat beeindruckt, wie jemand so Hals über Kopf in einen Text hineinspringt, wie angenehm unsentimental und temporeich eine Autorin über die letzten Stunden einer jungen Frau im umkämpfen Sarajevo erzählt - zwischen Reisevisa beantragen, Überdruß an Nationalismus, der bis in die Popmusik überschwappt, Aufbruchsstimmung und nicht recht weg wollen, weil man die Lage nicht ernst genug nimmt und es zudem schwer fällt, den Ex-Freund wirklich ex sein zu lassen - und wie gedanklich gelenkig das alles passiert. So als wären die Geschichten mit der Handkamera gefilmt, immer offen für eine zufällige Störung. Damals hat Hadzibeganovic in einem Gespräch mit Christa Stippinger, der Initiatorin des Preises, gesagt: "Vielleicht kann man meine Texte als ,Montage-Texte' bezeichnen. Ich liebe es, die Leute zu überraschen. Ich finde, das wird der Wirklichkeit gerechter. Ich spiele mit den Ebenen".

Auch in den meisten der neuen Texte stehen junge Frauen aus Ex-Jugoslawien im Zentrum. Sie leben in Wien, gehen ins Chelsea, wollen ihr eigenes Leben leben, sie "slackern" auf der "Maria-Hilfmir-Straße" - "alle fünf Minuten hört man hier unsere Muttersprache" -, und sie kaufen, wie alle, bei H&M ihre Klamotten. Brüche gehen in diesen Geschichten nicht hauptsächlich durch Nationen, sie trennen, wie überall auf der Welt, die Generationen, weil man ein anderes Lebensgefühl hat als seine Eltern oder Großeltern. Junge Frauen wollen nicht mehr die klassischen Geschlechterrollen ausfüllen - bald heiraten, Kinder kriegen -, sie sind jung, neugierig, voller Tatendrang und sprechen neben jugoslawisch und deutsch auch die Sprache der Popmusik. Zugleich thematisieren die Geschichten sehr unaufgeregt und genau beobachtet, in welchem Spannungsfeld die Exiljugendlichen an ihrem neuen Lebensort stehen.

Das titelgebende "ilda zuferka rettet die kunst" spielt damit, ein Bericht zu sein, der den "Alleingang einer Frau" dokumentiert. Ein Redakteur schreibt einleitende Worte, er habe jenes Material, das gefunden wurde, nachdem Zuferka ums Leben gekommen war, nun zu diesem Text zusammengestellt. Ilda Zuferka, die Kunstwissenschaftlerin, so erfahren wir, hatte einen wahnwitzigen Plan. Sie wollte aus dem 13. Jahrhundert stammende, im Kriegsgebiet liegende bosnische Nekropole retten und setzte alle Hebel - bis zur UNESCO und Unterstützung von Popstars - dafür in Bewegung. Es sind eigentlich Stilmittel der Romantik, wie ironische Brechung und fragmentarisches Material, die Hadzibeganovic einsetzt, um einen kritischen Blick auf unsere Medienwelt zu werfen. Hadzibeganovic selbst studiert übrigens auch Kunstgeschichte - zur Zeit in Utrecht/Holland. Danach will sie wieder Wien zurück, allerdings nicht, um wie ihre Heldin die Kunst zu retten.

Karin Cerny
23. April 2001

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