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Leseprobe: Josef Haslinger - "Das Vaterspiel."

Er wollte wissen, was mich nach New York führte. Ich erzählte ihm von meinem Vatervernichtungsspiel. Er lachte und sagte, also kommst du nicht einfach aus Österreich, sondern aus Wien. Ich fragte ihn, wie er darauf komme, und er antwortete, Sigmund Freud komme doch aus Wien, und auch bei ihm laufe alles doch letztlich auf ein Vaternichtungsspiel hinaus.
Ist das so?, fragte ich.
Klar, sagte er. Der hat doch den Ödipus erfunden.
Wenigstens dem konnte ich mit Gewissheit widersprechen. Er fragte mich, was ich mit meinem Vatervernichtungsspiel vorhabe. Ich sagte, ich wolle es an eine Software-Firma verkaufen.
Würde ich nicht machen, sagte er. Da wirst du mit Sicherheit reingelegt. Wenn das Spiel etwas taugt, dann sollen es die Kunden bezahlen. Aber die wollen nicht mehr dreißig, vierzig Dollar ausgeben für ein Spiel, von dem sie im Vorhinein nicht wissen können, ob es ihnen gefällt. Und selbst wenn es ihnen gefällt, wissen sie mittlerweile auch, dass es ihnen in drei Monaten nicht mehr gefallen wird. Sie haben nämlich schon fünfzig Spiele, für die sie einmal ein Heidengeld ausgegeben haben, sinnlos daheim im Regal liegen. Vergiss die Software-Firmen. Online-Gaming heißt die Devise. Die Leute probieren für wenig Geld ein Spiel online aus, und sie kommen gerne darauf zurück, wenn es ihnen gefällt. Letztlich geben sie auf diese Weise für ein Spiel mehr Geld aus, als wenn sie die CD gekauft hätten. Aber dafür haben sie nicht den ganzen Schrott herumliegen.
Das leuchtet ein, sagte ich. Ich bin hier offenbar an einen Spezialisten geraten. Es gibt da bloß ein kleines Problem. Wenn ich mir eine Website mit diesem Spiel einrichte, passiert gar nichts, selbst wenn ich Verträge mit Kreditkartenfirmen habe. Einfach deshalb, weil niemand davon weiß.
Okay, zeig mir die Software, wenn mir das Spiel gefällt, nehme ich es probeweise in meine Website auf.
Was hast du für eine Website?
Online-Shopping. Bei mir kannst du fast alles kaufen, obwohl ich nichts herstelle. Ich mache Verträge mit Erzeugern, die dann die Bestellungen direkt an meine Kunden schicken. Ich kriege fünf Prozent, und die Waren sind immer noch billiger als im Einzelhandel.
Und was kriege ich?
Darüber reden wir, wenn ich das Spiel gesehen habe. Aber ich muss gestehen, Vatervernichtungsspiel klingt gut. Würde ich mich einloggen.
Er stieß seine Frau in die Seite.
Was meinst du?
Sie verdrehte die Augen und sagte: Mir gehen alle Computerspiele auf die Nerven. Und die Kombination Vernichtung und Spiel würde mich noch zusätzlich abschrecken.
Okay, die Frauen brauchen wir auch. Lassen wir die Vernichtung weg und nennen es einfach Father Game.
(S. 521f.)

© 2000, S. Fischer, Frankfurt / Main.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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