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Bodo Hell: Die Devise lautet.

Erzählung.
Coverfoto: Didi Sattmann.
Wien: Edition Splitter, 1999.
72 S., brosch.; öS 88.-.
ISBN 3-901190-69-4.

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Unvermittelt beginnt die Textmaschine zu arbeiten im "Stadtraum", daß einem unter ständigem Hochdruck das Sehen und Hören vergeht. Kein Punkt, kein Halt im neuen Buch von Bodo Hell.

Der Sprachstoff zwischen den Kommas - Nachrichtenfetzen, Reklameflicken, Bruchteile der Welt, poetische Assoziationen, Wortschöpfungen wie "Medientasse" (S. 57) - bewegt sich lärmend mit hoher Geschwindigkeit und folgt dem Gesetz einer beklemmenden Logik. Wer in den Sog des urbanen Rhythmus gerät, erfährt umso deutlicher die Vereinnahmung durch das, was uns bestimmen und ausmachen soll: "alle haben wir grünes Licht bekommen, in diesem berührungslosen ZutrittsSystem" (S. 25).

Nur scheinbar bewegt sich Bodo Hells Montage/Erzählung an der Oberfläche, wird, schonungslos gerafft, zu beklemmender Erfahrung. Wer sich blindlings der Informationsflut aussetzt, dem droht entweder Paralyse oder Konfusion, und: "wer durch die Medien lebt, wird durch die Medien umkommen" (S. 22). Ob Fettfresser oder Kinderprostitution, Feinwaschmittel oder Atommüll, Kirche oder Tomahawk-Raketen - Konserven werden konsumiert, Litaneien produziert, Gefühle kolportiert. Der Erzähler bleibt im Hintergrund, ist anonym und "konzentriert sich ausschließlich auf den nächsten Schritt" (S. 66). Mehr kann er sich auch nicht leisten im Zustand Null einer Gesellschaft, deren Devise nicht nur lautet: "Armut durch Arbeit, noch sind wir nicht für jede Beruhigung durch die vitale Illusion verloren, everyone's a winner, was wir brauchen, ist eine Lockerung der engen Bindung von Erwerbsarbeit und Lebenssicherung, auch das führt nicht weiter: in die Haut hineinzuschneiden, um nachzusehen, was darunter liegt"
(S. 19).

Die Vernachlässigung des Menschen ist "kompatibel" mit der entzweiten Sprache des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Inflation der Nahaufnahmen: keine Zeit für Wahrnehmung. Doch "Jammern / füllt keine Kammern" (S. 18), "in die Stille bricht eine Stimme, die mitteilt, daß es kalt sei und Zeit, nachhause zu gehen" (S. 52).

Krista Kempinger
15. Juli 1999

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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