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Semier Insayif: über gänge verkörpert oder vom verlegen der bewegung in die form der körper.

Gedichte.
Innsbruck: Haymon, 2001.
112 S., öS 198.-.
ISBN 3-85218-353-7.

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Semier Insayifs Arbeit stellt sich als Mittelding zwischen Physik und Lyrik dar. Die einzelnen Gedichte sind präzise gearbeitete Texte, jeweils mit einer klaren Überschrift und in Kleinschreibung gedruckt. Die Gedichte lassen sich wohl einzeln lesen, aber wie schon aus dem Eingangskapitel hervorgeht, stehen sie zueinander in einem physikalisch-logischen Zusammenhang.

"bewegende fragen oder unter um-ständen durch-wegs bedenkenswert" (5) ist der kleine Essay zu Beginn des Buches überschrieben. Hervorstechendstes Merkmal ist die Aufspaltung der Wörter in Wortteile und ihre anschließende Verknüpfung mit Bindestrich. Kaum ist ein Sachverhalt im Sinne Wittgensteins geklärt, tun sich schon wieder neue Fragen auf, so daß der Autor lapidar zusammenfaßt: "erstens, worauf stützen sich vorgehens-weisen dieser art? und zweitens, worauf fußt das über haupt?" (6)

Der Haupttext beherbergt Kapitel wie "ein-gang", "bewegungs-richtungen", "grund-sätzliches und selbst-reflexives", "denk-ströme und gedanken-flüsse", "ver-wegungen oder vier ver-satz.stücke" und "aus-gang". Jedem Kapitel ist ein Satz eines Meisters vorangestellt, so kommen etwa Robert Walser, Aristoteles, Honoré de Balzac oder Thomas Bernhard zu Wort.

Einige Male sind die Texte nicht nur in ihrer Bedeutung quer angelegt, sondern wegen der überlangen Zeilen auch quer ins Buch gedruckt.
Den Gedichten wird durch das häufige Zerlegen der Wörter ein eigener Rhythmus aufgezwungen, durch das gleichwertige Betonen der isolierten Wortglieder entstehen wie von selbst Feierlichkeit und ein kultischer Ton. Wenn der übliche Sinn einmal aufgebrochen ist, ergeben die atomisierten Wortteile völlig neue Bedeutungen. Und bei allen Variationen heißt das Hauptthema immer Bewegung, Beginn einer Bewegung oder Einfrieren derselben.

Verblüffend logisch werden Bewegungen auch scheinbar statischen Gegebenheiten zugesprochen, wie etwa den Himmelsrichtungen. Tatsächlich gibt es dynamische Bewegungsgedichte, die lapidar mit "im süden", "im norden", "im westen" und "im osten" überschrieben sind.
Auch Wortgattungen können eine eigene Bewegung entwickeln, wenn etwa verschiedenen Zeitwörtern oder Richtungswörtern wie vor-wärts eigene Gedichte gewidmet sind.

Semier Insayif hat mit seiner an der Bewegungslehre der Physik geschulten Lyrik einen interessanten Versuch zur Dynamisierung der Sinneseindrücke vorgelegt. Und manche Texte bringen bei aller strengen Kompositionstechnik sogar das Zwerchfell in Bewegung.

Helmuth Schönauer
7. Juli 2001

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