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Alfred Komarek: Doppelblick.

Roman.
Innsbruck, Wien: Haymon, 2008.
191 S.; geb.; Euro 17,90.
ISBN 978-3-85218-556-9.

Link zur Leseprobe

Es ist Frühling, und der Jahreszeitenkreis schließt sich rund um Daniel Käfer, den Protagonisten einer Romantetralogie, die nach "Die Villen der Frau Hürsch" (2004), "Die Schattenuhr" (2005) und "Narrenwinter" (2006) nun zu ihrem Ende findet. Der Plot des letzten Bandes lässt sich schnell zusammenfassen:
Daniel Käfer, gebürtiger Grazer, ehemaliger Chefredakteur der Münchner Zeitschrift "IQ" und nunmehriger aufstrebender Mitarbeiter des Hamburger Konzerns Kappus & Schaukal, durchlebt eine Krise. Sein Bruder Heinz hat den Kampf gegen den Magenkrebs verloren und hinterlässt abgesehen von seiner Frau Therese den Ruf eines erfolgreichen Anwalts, der zeitlebens wohl zu wenig auf sein inneres Ich gehört hat. Dieser plötzliche Verlust sowie der immense Vertrauensüberschuss von seiten seiner Hamburger Arbeitgeber – man hat ihm innerhalb weniger Wochen immer verantwortungsvollere und zeitintensivere Projekte übertragen – sind letztlich der Grund dafür, dass Daniel bei einem Spaziergang an der Alster zusammenbricht und einen Tinnitus (im Fachjargon "Menière-Syndrom") erleidet.
Die Alarmglocken läuten im wahrsten Wortsinn. Und geben Käfer zu denken: Er arbeitet Tag und Nacht in seinem neuen Job, die Erwartungen, die man in ihn gesetzt hat, sind hoch. Währenddessen fotografiert seine langjährige Freundin Sabine schottische Schafe auf den äusseren Hebriden und ist mit ganz anderen Dingen beschäftigt als damit, ihrem am Rücken liegenden Käfer wieder auf die Beine zu helfen.

Da kommt dem niedergeschlagenen Helden das Angebot seines Mentors Henning Mertens, eine Aus- und Bedenkzeit zu nehmen, mehr als gelegen. Dieser schickt ihn auf die Suche nach einer 'kleinen Denkmanufaktur' (S. 32), einem idyllischen und gleichwohl inspirierenden Plätzchen, wo die geistige Firmenelite ihre Köpfe zusammenstecken und neue Ideen gebären kann.
Wohin, wenn nicht ins steirische Salzkammergut, das Ferienparadies seiner Kindheit, sollte es Daniel Käfer ziehen, ist er doch von der ersten Stunde an überzeugt, dass er mit einem großzügigen Geldgeber im Rücken von seiner "zweiten" Heimat wie ein Messias mit offenen Armen empfangen werden muss. Aber so sehr er sich um die Hand des Ausseerlands einerseits und um die seiner fremdverliebten Sabine andererseits bemüht, er bekommt von allen Seiten eine Abfuhr erteilt.
Gemeinsam mit Eustache Schiller, den wir schon aus den Vorgängerromanen kennen, unternimmt Käfer seine Besichtungstouren durchs steirische und salzburgische Salzkammergut, stößt auf Ressentiments aller Art von seiten der Lokalgrößen und muss sich letztendlich eingestehen, dass sein kolonialistisches Gehabe nicht ganz kompatibel ist mit der vor allem durch die jüngere Geschichte geläuterten Mentalität der "Einheimischen".

Selbst als er durch Zufall auf den "Doppelblick", das dem langsamen Sterben überlassene Anwesen eines gewissen Lambert Monschübl stößt und sich von diesem Bauwerk verzaubern lässt, steht er vor verschlossenen Türen. Monschübl lebt dort mit den Geistern seiner Familie, er empfindet es als Infamie, dem Gebäude auch nur in irgendeiner Weise restaurativ zu Leibe zu rücken. Für ihn ist es ein lebender Organismus, dessen gutes Recht es ist zu sterben, ohne aufwendige "Therapien". Zwischen den beiden Männern entwickelt sich eine schüchterne Freundschaft, die nach einem tragischen Zwischenfall zu so etwas wie einem Happy End führt.

"So etwa wie" könnte man auch das nennen, was sich an der privaten Front abspielt. Käfer und seine Freundin Sabine verhalten sich wie zwei Magnete, die sich einmal abstoßen und dann wieder anziehen. Nach einem Seitensprung kehrt sie zu ihrer "homebase" zurück und hat offensichtlich Federn gelassen. Käfer nützt diesen schwachen Moment und macht ihr einen Heiratsantrag. Auch wenn die Antwort positiv ausfällt, so ist der Verlauf der Geschichte doch etwas unkonventionell - wie die Beziehung der beiden generell.

Unterm Strich ist Alfred Komarek mit diesem letzten Teil der Daniel-Käfer-Tetralogie ein Roman gelungen, der gekonnt von den landschaftlichen Reizen und der turbulenten Vergangenheit einer Gegend erzählt, mit der der Autor selbst innig verbandelt scheint. Auch sind die zahlreichen Nebendarsteller (manche davon kennen wir natürlich schon) versiert gezeichnet – nicht ohne ironischen Unterton; nur die Dialoge sind gelegentlich etwas eindimensional, ihre Entwicklung zu vorhersehbar.
Tatsache ist, dass ein Land, das von Ölscheichs und russischen Oligarchen und deren Millionen und Abermillionen heimgesucht wird, gut daran tut, seinen Kern zu hüten und misstrauisch zu sein.

 

Claudia Holly
19. November 2008

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

 

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