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Leseprobe: Daniel Kehlmann - "Diese sehr ernsten Scherze."

Sie haben von zwei historischen Personen erzählt. Sie haben diese beiden Dinge angedichtet und anerfunden. Finden Sie das moralisch völlig unproblematisch?

So unproblematisch, wie Kunst eben sein kann. Wirklich anständig ist sie nämlich nie. Ein Künstler ist nicht vollkommen, nicht ganz und gar respektabel. Aber es ist seit alters her eine Domäne der Literatur, ihre eigenen Versionen historischer Personen nachzuerschaffen. Man kann es sich natürlich leichtmachen wie Heiner Müller und sagen, alles Geschichtliche ist Material. Aber so einfach ist es nicht. Natürlich ist Schillers Wallenstein nicht der historische Wallenstein, aber er ist auch nicht irgendeine Figur, die mit Wallenstein nichts außer dem Namen gemeinsam hat. Willy Brandt und Günter Guillaume in Michael Frayns Stück "Demokratie" sind natürlich nicht einfach der historische Brandt und der historische Guillaume, aber sie sind auch nicht zwei frei erfundene Phantasiegestalten. Der historische Mensch selbst ist gewissermaßen ein Magnet, und um ihn herum ist ein Feld, in dem man sich erfindend bewegt. Kommt man der ursprünglichen Gestalt zu nahe, dann schreibt man einfach eine Biographie, und das ist nicht der Sinn der Sache. Entfernt man sich aber so weit, daß die Kraft ihres Feldes nicht mehr spürbar ist, so hat man das künstlerische Recht verloren, diese Namen zu verwenden, und man unternimmt etwas ganz Sinnloses.

© 2007 Wallstein Verlag, Göttingen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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