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Leseprobe: Alfred Komarek - "Narrenwinter."

Wieder im Zimmer, versuchte Daniel Käfer zu lesen, doch seine Gedanken schrieben verwirrende Zeilen zwischen die Zeilen im Buch. Also schlug er sein Notizbuch auf, fand seine Notizen banal und strich sie durch. Dann fiel sein Blick auf die beiden Betten, die diesseits und jenseits der Sitzgarnitur dicht an der Wand standen. Käfer rückte den Tisch und die Sessel zum Fenster hin und schob dann energisch eines der Betten quer durch den Raum zum anderen Bett. Aufatmend legte er sich hin und schloss die Augen. Ein neuer Anfang in der Mitte seines Lebens, wenn es überhaupt die Mitte war... (S. 25)

Nach und nach besserte sich Käfers Laune. Der Ärger über das unbefriedigende Gespräch mit Bruno Puntigam war unwichtig geworden, der materielle Schaden war auszuhalten und er hatte zwei Menschen kennen gelernt, die er bald zu seinen Freunden zählen wollte. Er folgte nur einem Fußweg, der jenseits der Traun nach Aussee führte. Ein paar Augenblicke lang hatte Käfer helle Freude am Leben. Aber Sabine fehlte, fehlte so sehr wie noch nie. Bislang war er recht zufrieden damit gewesen, dass sie in seinem Junggesellenleben eine Art emotionaler Ausfallhaftung übernahm, auch ordnend oder helfend eingriff, wenn ihm die Probleme wieder einmal über den Kopf wuchsen. Worte wie Nähe und Vertrautheit hatten ihn eher beengt und beunruhigt. Und Sehnsucht hatte er stets als gefährliche Bewusstseinstrübung gefürchtet, die allenfalls in der weniger sentimentalen Erscheinungsform als sexuelle Begehrlichkeit zu ertragen und zu entsorgen war. Käfer war mit den bewährten Illusionen eines Männerlebens ganz gut zurechtgekommen in all den Jahren, hatte sich für einen meisterlichen Autofahrer und einen umwerfenden Liebhaber gehalten. Ersteres war mit dem heutigen Tage entschieden in Frage zu stellen, für Letzteres gab es allenfalls Indizienbeweise, die einer näheren Untersuchung wohl kaum standhalten würden - so hätte es zumindest sein Bruder und Anwalt formuliert. Anders gesagt, es war nicht ganz von der Hand zu weisen, dass er, Daniel Käfer, im freien Markt der Emotionen und Leidenschaften nur deshalb kein Ladenhüter war, weil es Frauen gab, die es einfach nicht übers Herz brachten, ihn links liegen zu lassen. (S. 40/41)

© 2006, Haymon Verlag, Innsbruck - Wien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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