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Alfred Komarek: Die Schattenuhr.

Roman.
Innsbruck, Wien: Haymon Verlag, 2005.
207 S.; geb.; Eur 17,90.
ISBN 3-85218-483-5.

Link zur Leseprobe

Daniel Käfer kann sich vom Salzkammergut nicht trennen. Der arbeitslose Intellektuelle, der sich Zeit lässt, das Leben und die Zukunft wieder in die Hand zu nehmen, fasst nach seinen Abenteuern im ersten Daniel-Käfer-Roman "Die Villen der Frau Hürsch" den festen Vorsatz, nach Wien zu fahren, seine alten Kontakte aufzuwärmen und sich wieder einen Job zu suchen. Ist sowieso nicht leicht in diesen Zeiten. So macht er sich am Beginn des zweiten Daniel-Käfer-Romans "Die Schattenuhr" auch tatsächlich auf den Weg Richtung Hauptstadt. Doch weit kommt er nicht.

Alfred Komarek hat nach bzw. zusätzlich zu seinen Polt-Krimis eine zweite Schiene ins Leben gerufen. Auch der Ex-Journalist Käfer geht diversen Fällen nach, allerdings nicht unbedingt kriminalistischen. Doch recherchieren kann man schließlich auch ohne Leiche. Tat sich Käfer im ersten Teil im Ausseer Land um, steht diesmal Hallstatt im Mittelpunkt. Das Salzbergwerk und seine Geschichte, die Hallstätter und ihre Marotten, der eiskalte See.

Es herbstelt bereits, und die Lieblichkeit der Landschaft ist dahin, ausgewechselt durch eine schroffere Anziehungskraft. Schroff der Ton auch bei den Gamsjägers, wo Daniel diesmal eine Weile einkehrt, angestachelt von Gerd Gamsjäger zu allerlei Extremsport. Den Käfer packt der Ehrgeiz, nach dem Paragleiten muss es noch die Übernachtung in der Eishöhle sein, und Übermut tut selten gut, der Schreibtischhengst ist keine Gams, und kaum sie sich's versehen, ist das Unglück bereits geschehen. Der Bergführer liegt schwer verletzt im Spital und der tollpatschige Städter weiß nicht, wie er's wieder gutmachen soll. Da hilft zunächst nur sehr viel Schnaps.

Komarek hat die persönliche Geschichte seines Helden eng mit dem Genius loci verwoben, mit der düsteren Enge Hallstatts, in der man sich nie verabreden muss, weil man sich sowieso ständig zufällig über den Weg läuft, und in der alles Leben am Ende ins Beinhaus mündet. Oder ins Salzgestein. Und als Wiedergutmachung wird Daniel am Ende noch beinahe zum Archäologen, und Ötzi lässt grüßen. Gesalzen.

Geschichte und Gegenwart, Wirklichkeit und Phantasie weichen auf in den feuchten Herbsttagen am See. Wir treffen jede Menge alter Bekannter aus dem ersten Daniel-Käfer-Roman, Einheimische und "Zuagraste" wie ihn selbst. Und auch hier wieder der gewisse Ton, den die Alteingesessenen anschlagen, der Gast ist willkommen, weil er zahlt, aber ganz ernst nimmt man ihn nicht. Man hätschelt ihn ein wenig, aber dazugehören wird er nie. Die Provinz wehrt sich gegen jeglichen Einfluss von außen. Mit Erfolg. Weltoffenheit ist für die andern da.

Der Eindringling spielt mit, lässt sich alles gefallen, ja, so hätten wir die Touristen gern. Und dass sie auch noch schön lange bleiben. Und süchtig werden nach der Gegend. Eigentlich müssten sie flüchten. Aber sie sind dem Fleck nun einmal verfallen. Dem Charme des Salzkammerguts, das einen wie Käfer nicht loslässt und viele andere auch nicht. Und die Leser am allerwenigsten.

Die Dialoge sind lebendig, nur manchmal etwas zu schlagfertig, um noch authentisch zu wirken, und stets gut durchwirkt mit bodenständigem Humor. Die kleinen menschlichen Schwächen, die im Alltag so zutage treten, sind präzise verzeichnet und gekonnt skizziert. Und trotz aller Ecken und Kanten sind sie dann doch wieder sympathisch, die Bewohner dieser Ecke der Provinz. Seien wir gespannt, wie weit Käfer das nächste Mal krabbelt - bis Gmunden, Ebensee oder gar nur Bad Ischl?

 

Sabine E. Dengscherz (Selzer)
26. September 2005

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

 

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