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Franz Kabelka: Heimkehr.

Kriminalroman.
Innsbruck, Wien: Haymon, 2004.
233 S.; geb.; Eur[A] 19,90.
ISBN 3-85218-445-2.

Link zur Leseprobe

Was ein perfektes Bundesland ist, hat auch einen lokalen Paradekommissar. In der Literatur stellt der österreichische Regionalkrimi mittlerweile eine etablierte Möglichkeit dar, den großen Zeitgeist gespiegelt in der kleinen Welt einer Region für die Leser spannend aufzubereiten.

Der gebürtige Vorarlberger Anton Hagen kehrt nach Polizeijahren in Linz als Chefinspektor in seine Heimat zurück, und dann fliegen ihm erkennungsdienstlich drei Wochen um die Ohren, die es in sich haben. Genau vom 5. bis 28. Oktober 2001 dauert die Ermittlungs-Chose, während der im weltweiten Anthraxfieber die Vorarlberger Kulturszene aufgemischt wird. Der literarische Platzhirsch ist mit einer Hellebarde ermordet worden, genau wie es in einem seiner Manuskripte steht. Wie in der Provinz üblich bewegen sich die Ermittlungen auf engstem Raum, Verwandte, Künstler und lokale Außenseiter sind bald einmal abgeklappert.
Die Arbeit geht dem Inspektor nicht leicht von der Hand, mit einem Bein noch im Ausland stehend sieht er jeden Tag deutlicher, wie sich die Fesseln um das künftige Standbein in der alten Heimat schlingen. Der Durchbruch bei der Lösung des Falles und das finale Showdown geschehen dann unvermittelt wie ein Bodenseeunwetter. Nach einem zweiten Mord an einem hoffnungsvollen Dichtersternchen fällt es Anton Hagen wie Schuppen von den Augen: Die Lösung ist immer ganz nah!

(Mehr darf aus spannungstechnischen Gründen hier nicht verraten werden.)

Franz Kabelkas Kriminalroman "Heimkehr" gehört zu jenen schrägen Krimis, bei denen in Kottan-Manier die Dinge ironisch überhöht sind. Das beginnt schon bei den Namen, wenn ein gewisser Gfader während des Dienstes ein "fades Auge" aus dem Gesicht hängen hat oder ein Pathologe namens Schoaß trefflich seine Abstammung von der Innsbrucker Universität kundtut.

Ironisch laufen familiäre Beziehungen, verflossene Jugendliebschaften oder schnell gezeugte Kinder auseinander. Selbst das Sterbebett wird zu einer viel zu großen Inszenierung, wenn der Vater des Inspektors mit einem Lausbubenstreich auf den Lippen sich von dieser Welt verabschiedet und voll der Erkenntnis ist, dass es kein Jenseits gibt.
In der Provinz sind alle Maßzahlen aus dem Lot. So werden die Weltereignisse Afghanistankrieg, Anthrax-Attentate und Bush-Administration heruntergezoomt auf die Fläche des Fernsehapparates, während sich die Distanzen innerhalb des Landes durch Verkehrsstau und falsch eingeschlagene Wege zu beinahe kontinentaler Größe aufblasen. Die kulturelle Szene ist völlig überdreht und spricht unter sich in Epen, wo kleine Anmerkungen genügen würden.
Letztlich ist auch das Selbstbewusstsein der Einheimischen recht eigenartig entwickelt: Einerseits spricht man von Rest- und Pestösterreich, wenn man die Welt außerhalb Vorarlbergs meint, andererseits sind gerade die Männer zu gewisser Tagesstunde sehr deprimiert, dass die schönen Frauen alle in Innsbruck studieren, dort geschlechtsreif werden und heiraten.

"Heimkehr" verbindet die Vorzüge eines ausgewachsenen Kriminalromans, in dem es einen glaubwürdigen Plot und ausreichende Gelegenheit zum Suspense gibt, mit den Vorzügen des aufklärenden Heimatromans. Genau so könnte es in Vorarlberg gewesen sein, damals zwischen dem 5. und 28. Oktober 2001!

Helmuth Schönauer
2. Juli 2004

Originalbeitrag

 

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