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Edith Kneifl: Pastete mit Hautgout.

Hamburg, Wien: Europa Verlag 2002
(GourmetCrime: Wien. Hrsg. v. Jürgen Alberts)
77 S.; geb.; EUR (A) 8,20.
ISBN 3-203-85201-2.

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Wenn die Absicht der GourmetCrime-Reihe sein sollte, neben der Aufklärung eines Verbrechens lustvoll kulinarische Genüsse einer Region zu beschreiben, dann wird in diesem Buch das genaue Gegenteil erreicht. Wer nach dem fulminanten Finale Lust darauf hat, das abschließende Rezept für Tafelspitz auszuprobieren, wer in seinem Leben überhaupt noch einmal in der Lage sein wird, Tafelspitz genüsslich zu verspeisen, dem gratuliere ich zu seinem guten Magen. Mir jedenfalls ist der Appetit vergangen.

Das Figurentableau: Max ist Besitzer des Hauben-Restaurants "Zum lieben Augustin". Das Geschäft geht nicht besonders, Max hat Schulden wie ein Offizier, weil er partout auf die falschen Pferde wettet. Seine Frau Sophie hat ein Verhältnis mit dem Kellner Ferenc, aus dem ein Franz geworden ist. Zum Essen im kleinen Kreis sind geladen: Der alkoholkranke Gourmetkritiker Siegi Marlek, einst für seine harten Kritiken berühmt und berüchtigt, jetzt ein geiler alter Bock, der sich die Artikel von seiner Frau Gudrun schreiben lässt und jede Frau, die ihm unter die Augen kommt, zu vernaschen versucht. Gudrun wiederum hat ihren Gatten unendlich satt, sehnt sich nach ein bisschen Freiraum, den ihr Siegi nicht zugestehen will: Nicht nur einmal habe ich daran gedacht, diesem grässlichen Schnarchen mit Hilfe eines dicken Kissens ein Ende zu bereiten. Gudrun ist außerdem Max' letzte Hoffnung, den Geldeintreibern, die ihm auf den Fersen sind, in letzter Minute zu entrinnen. Außerdem zum Essen geladen: Der junge Restaurantkritiker Hannes und seine junge Freundin Jackie, vom Kellner Franz süffisant als gelackter Affe und anorektische Tussi mit Wonderbra bezeichnet. 7 Personen. Gegenseitige Abhängigkeiten. Hass, Schulden, Konkurrenz. Draußen regnet es in Strömen, drinnen vögelt Franz seine Chefin zwischen Sülzchen und Tafelspitz am Klo, wird Sekt für Champagner serviert und gehalten, nimmt das Unglück seinen Lauf.

Auf Siegis Gesicht zieht Leichenblässe auf, mühsam schleppt er sich aufs Klo, wo er sich übergibt, na und dann geht es Schlag auf Schlag. Jemand geht über den Jordan und dann noch jemand. Hannes und Jackie bekommen heiße Füße und verziehen sich. Bleiben nur mehr drei, und der Krimi ist auf Seite 77, der letzten, an seinem überraschenden Ende angelangt. Heut kommen die Engerl auf Urlaub nach Wearn lautet die Zeile eines Wienerliedes, das während des Essens gespielt wird. Wären die Engerl tatsächlich nach Wien gekommen, dann hätten sie im Lieben Augustin kleine Teufelchen getroffen.

Kneifl hat in Pastete mit Hautgout ein deftiges Gericht fabriziert, raffiniert und scharf gewürzt. Vielleicht würde sie sogar eine Haube dafür bekommen.

 

Peter Landerl
17. Oktober 2002

Originalbeitrag

 

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