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Werner Kopacka: Rack. Die Afrika-Connection.

Krimi.
Graz: onebe-Verlag, 2002.
255 S., brosch., EUR 14.50.
ISBN: 3-9501639-0-5.

Link zur Leseprobe

Sascha Rackowitz alias "Rack", ehemaliger Polizeibeamter in Graz, hatte seine Frau Erna mit seinem Chef im Bett erwischt und den Rivalen verdroschen, musste dafür Graz verlassen, trieb sich als Matrose in der Welt herum und landete schließlich wieder in Graz, als Sandler am Hauptbahnhof. Am absoluten Nullpunkt erwacht sein Lebens- und Polizisten-Instinkt durch die faule Berichterstattung über einen toten Afrikaner, den man mit abgeschnittener Zunge und abgeschnittenen Hoden im Straßengraben aufgefunden hat und dessen Ermordung man mit der Drogenkriminalität in Graz in Verbindung bringt, sodass die Polizei weitere Ermittlungen für überflüssig hält. Am Fall des toten Peter Onebe aus Uganda hantelt sich der tief gefallene Ex-Cop wieder hoch. Er wird wieder Mensch, dank der Hilfe zweier ehemaliger Kumpel. Sogar als Ehemann findet er sich schließlich wieder in alle seine Rechte eingesetzt, nur zu günstigeren Tarifen, weil die Ex-Frau mittlerweile hochvermögende Polizeipräsidentenwitwe geworden ist. Schnurgerade läuft die Geschichte aufs programmierte Finale: der rausgeworfene Underdog beschämt den ehemaligen Dienstgeber, er bringt es fertig, nicht nur den Mord aufzuklären, sondern trägt entscheidend dazu bei, dass die Grazer nicht mehr in allen Afrikanern Drogendealer sehen und dass die Grazer Afrikaner sich selbst organisieren, in einer Bewegung, "Africans for Austria", um in ihren eigenen Reihen Ordnung zu schaffen und dafür zu sorgen, dass der eingewanderte schwarze Bevölkerungsteil einmal das bessere Österreich repräsentieren wird.

"Ein neuer ungewöhnlicher Krimi-Held, ein neuer Schauplatz, eine fesselnde Story mit aktuellem Hintergrund, ein neuer Verlag - und ein Autor, der sich [..] im deutschen Sprachraum bereits eindrucksvoll vorgestellt hat." So präsentiert der neugegründete onebe-Verlag sich und das Buch. Neu und ungewöhnlich ist der Krimi-Held Rack freilich nicht, er riecht von weitem verdächtig nach Wolf Haas' Brenner. Bei näherem Beschnuppern merkt man aber, dass Rack der gewisse Hautgout fehlt, der den Brenner auszeichnet, das Brenner'sche Selber-nicht-wissen-was-mit-ihm-passiert. Der Autor und sein Mentor Schiffkovitz (STS), der ein kurzes Vorwort geschrieben hat, haben es wohl selber schon geahnt, was an Rack stören wird: Er ist ein "Gutmensch". Erzählerisch motiviert ist Racks Gutmenschentum, sein unnachgiebiger Kampf für die Rehabilitation des toten Afrikaners indes nicht. Sie bleiben ein Fantasma der politischen Correctness des Autors Kopacka. Graz als neuen literarischen Schauplatz bezeichnen kann man wohl auch nicht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass der Roman genug Lokalkolorit vermittelt, um Grazer oder Graz-Freunde oder Graz-Feinde als Leser/innen auf ihre Rechnung kommen zu lassen. Das Bild der Stadt und ihrer Stätten bleibt blass und schematisch, hergestellt aus nicht viel mehr als aus "name-dropping". Eine fesselnde Story mag Kopacka gelungen sein, er erzählt mit Tempo, sprachlich dominieren Ellipsen wie bei Haas, was aber in den Österreich-Krimis von Wolf Haas zum kreativen sprachkünstlerischen Spiel mit der Umgangssprache gerät, bleibt bei Kopacka nicht mehr als ein Mittel zur Verknappung. - Spannungserzeugung für den Zweck, "einfach eine gute Geschichte" (Schiffkowitz) erzählen - für Anspruchslose! Mit dem sogenannten "aktuellen Hintergrund" wird hier Missbrauch getrieben, weil die tatsächlichen Hintergründe für die Immigration von Afrikanern nach Österreich, die reale Situation dieser neuen Volksgruppe in unserem Land nicht vermittelt werden; sie sind vom Autor offenbar nicht recherchiert worden. Ich schließe das aus der Schablonenhaftigkeit der Afrikaner-Figuren und der schablonenhaften Schilderung der Umstände, in die sie geraten.

Normalerweise hütet der Rezensent den Ausgang einer Kriminalgeschichte wie einen geheimen Schatz. Hier muss ich eine Ausnahme machen. Denn das Scheitern von Werner Kopacka, der bisher als Verfasser von Abenteuerromanen, von Sachbuch-Thrillern und mit der Biografie der Schikönigin Renate Götschl hervorgetreten ist, als Autor literarisch anspruchsvoller Krimis äußert sich speziell in der Auflösung, die er dem Mordfall Peter Onebe gibt: sexuelle Gewalttätigkeit einer weißen Frau gegenüber dem schwarzen Lustknaben gemischt mit ein bisschen rührseligem Pathos des Kämpfers für die gerechte Sache ergibt in meinen Augen einen ziemlich geschmacklosen Schluss (siehe Textprobe).

 

Walter Fanta
17. Dezember 2002

Originalbeitrag

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