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Werner Kofler: Mutmaßungen über die Königin der Nacht.

Congetture sulla Regina della notte.
Ugibanje o Kraljici noci.
Klagenfurt / Celovec: Drava, 2000.
120 S., geb.; öS 277.-.
ISBN 3-85435-342-1.

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Ordentliche Kunst will von der Wirklichkeit ordentlich geschieden sein. Dieser zeitlos schöne Gedanke bildet den Stachel, gegen den sich Werner Kofler in einem seiner besten und konzisesten Prosatexte stemmt. Die "Mutmaßungen über die Königin der Nacht" sind nunmehr in einer neuen und überaus geschenktauglichen Ausgabe mitsamt Übersetzungen ins Italienische und Slowenische sowie mit einem profunden Nachwort von Klaus Amann erschienen. Vor allem aber enthält der im Kärntner Drava-Verlag herausgegebene Band ein Faksimile des Originaltyposkripts, das die Komplexität des Textes und die Präzision der Koflerschen Arbeitsweise anschaulich macht.

Drinnen: Die Zauberflöte; draußen: Der Nationalsozialismus - dies ist die simple Grundsituation des Textes. Sechs Aufführungen von Mozarts Oper (in Breslau, Prag, Aachen, Regensburg, Salzburg und Graz) nimmt sich der Autor vor, um dem Verschwinden der jeweiligen Königinnen nachzugehen. In Schikanders Regieanweisungen hatte es geheißen, daß sich am Schluß "das ganze Theater in eine Sonne" verwandeln soll. Ein bestürzende Vorstellung, wenn man bedenkt, daß rund um die angesprochenen Inszenierungen der reale Weltenbrand herrschte.

Anders als bei dem "Philosophen B." (hinter dem sich Ernst Bloch verbirgt) brennt es bei Kofler aber auch im Inneren des Stückes. Mozarts Endsieger im Kampf gegen die Finsternis gilt dem Autor nicht als der weise und gütige Herrscher einer gerechten Welt; SAraStro ist schon allein deshalb suspekt, weil SA und SS in seinem Namen stecken. Das Licht Sarastros ist nicht das ursprüngliche Licht Apolls, es ist das Licht einer brutalen, apollinischen Herrenpartie. Die Königinnen der Nacht fallen diesen Herren nicht nur drinnen im Theaterraum, sondern auch draußen in der Wirklichkeit zum Opfer. Von Sarastros real existierenden Helfern werden sie für ihre diversen Verfehlungen (wie der Titulierung des Nazikompositeurs Fidelio F. Schminke als Fidelio Schmutz-Finke) teilweise noch aus der Garderobe heraus verhaftet und "fortgebracht".

Ganz am Ende wohnt den Koflersschen Short Cuts, die in der Strenge ihres formalen Arrangements umso wirkungsvoller sind, eine herzzerreißende Liebesgeschichte inne. Quälend und bohrend bleibt an ihrem Ende die Frage: "Was geschah nun wirklich mit der Königin der Nacht?"

Klaus Kastberger
5. Dezember 2000

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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