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Ilse Kilic, Fritz Widhalm: Dieses Ufer ist rascher als ein Fluss!

Des Verwicklungsromans erster Teil.
Wien: edition ch, 1999.
105 S., brosch.; öS 140.-.
ISBN 3-90101015.

Link zur Leseprobe

Ilse Kilic und Fritz Widhalm führen in ihrem Buch "Dieses Ufer ist rascher als ein Fluss" ein neues Genre in die Literatur ein: Das Homemovie zum Lesen. Statt Breitwanderzählung in Cinemascope stehen launige Prosaepisoden im unaufdringlichen Taschen-Videoformat an, statt großer Gefühle wird das Auf und Ab des Alltags geschildert. Protagonisten des Romanes in 77 Kurzkapiteln sind das Kleinverlegerpaar Naz und Jana. Die beiden sind dabei, gemeinsam ein Buch zu schreiben, und zwar einmal etwas Anderes: "naja, jana will keine texte mehr schreiben, wo dann alle? sagen, daß sie sie nicht verstehen. naja, jana will keine texte mehr schreiben, wo naja, jana dann allen? eine textgebrauchsanweisung erklären muß" (S. 9). Also schreiben Jana und der Naz munter drauf los, was ihr Leben ihnen bisher so gebracht hat und gegenwärtig so bietet - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, das würde ja gar nicht gehen, denn, wie der Titel verrät: "Dieses Ufer ist rascher als ein Fluss!" sprich: Das Leben ist kein langer, ruhiger Fluss, sondern eine abwechslungsreiche Gratwanderung, und manchmal fällt dabei wie nebenbei eine unaufdringliche Lebenseinsicht ab.

Die bestimmenden Inhalte zeugen von einem Hang zum Zeitlosen: Es geht um Krampfadern und Erinnerungen an das gegenseitige Kennenlernen, um Magenbeschwerden und Schilderungen des Beziehungsalltags mit seinen Verstimmungen, um Freude und Ärger mit erschienen Texten und ihrer Rezeption sowie nicht zuletzt um Sex, Sex und wieder Sex. Erzählt wird spritzig, witzig und mit selbstironischem Humor.

In Frankreich hätte "Dieses Ufer ..." beste Chancen, verfilmt zu werden. Nicht nur, dass sich die Hauptfiguren inmitten einer immer gleicheren Welt durch ihre kleinen Schrullen und Eigenheiten auszeichnen, nein: Abseits von allen wuchtigen Erkenntnissen geben sie auch noch ihre eigenen, subversiven Lebensansichten zum Besten. Etwa: "und übrigens, auch bildungsbürger sind nur eine art belesener und ö-eins hörender bauern mit großem zitatenschatz." (S. 46). Gehört gehört!

Eines der Kernthemen des "Verwicklungsromans" ist trotz des angekündigten Ausbruchsversuches aus der experimentellen Ecke der Literatur ein höchst methodisches: Das Problem der Konstruktion von Biografie, das gleich zu Beginn angesprochen wird, um sich im Text auf zweierlei Arten zu verwirklichen: Einmal im ironischen Spiel mit den Identitäten von Figuren und ihren Schöpfern. Sprich: Naz und Jana sind die Alter egos von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, die, so wird behauptet, wiederum auch nur Pseudonyme von Naz und Jana sind. Und das Zweite: Wo es Biografie heißt, sind Erinnerungen an Kindheit und Jugend nicht fern. Das Aufwachsen von Jana und Naz in verschiedenen Milieus und unter unterschiedlichen Umständen wird daher verhältnismäßig ausführlich geschildert und kommentiert. "und die vergangenheit kann in so einfachen worten von doch so betörender schönheit erzählt werden" (S. 81), heißt es in diesem Zusammenhang. Ein Befund, den ich im Hinblick auf das ganze Buch vollinhaltlich unterschreiben möchte. In jedem Abschnitt des Buches spürt man die Lust, mit der Ilse Kilic und Fritz Widhalm ihre Homestory erzählen. Stilistisch ebenfalls mit - s.o. - Schrullen und Eigenheiten auf der semantischen Ebene: So kommen Lautumstellungen, Wortwiederholungen und -zusammenziehungen vor. Nicht unerwähnt darf auch der fünfseitige Zu-Bett-Geh-Comic in der Buchmitte bleiben sowie das seltsame Eisblumen-Cover, das im Gegensatz zum warmen Ton des Textes steht. "Des Verwicklungsromas erster Teil" heißt der Untertitel des Buches. Ein zweiter Teil ist zur Freude der Fans von JaNaz bereits angekündigt.

Werner Schandor
15. Februar 2000

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