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Leseprobe: Andrej Kokot - "Das Kind, das ich war."

Bruder Jozek bewunderte ich immer. Wahrscheinlich deswegen, weil er der älteste von uns war und sich viel mit mir befaßte. Wenn er von der Arbeit kam, eilte ich ihm entgegen. Er packte mich unter den Armen und schwang mich über den Kopf auf seinen Nacken.
Eines Tages wurden Jozek und noch einige Männer aus unserem Lager in die Ziegelfabrik Baden-Baden versetzt. Dort arbeiteten überwiegend Häftlinge aus Rußland. Einige unter ihnen waren aus der Baracke in der Nähe unseres Lagers. Jozek konnte sich mit ihnen gut verständigen und lernte auch bald ihre Sprache. Wir hörten ihm gern zu, wenn er erklärte, wie dies oder jenes auf Russisch heiße. Ich war sehr froh, als er mir einmal sagte, einer der Gefangenen heiße auch Andrej. Ich gab Jozek mein Stück Brot für ihn mit. Aus Dankbarkeit schnitzte er für mich ein Spielzeug. [...]
Völlig unerwartet wurde Jozek von der Gruppe unserer Männer getrennt. Niemand wußte, warum er abgesondert wurde. Als wir eines Abends warteten, daß er mit den übrigen Männern ins Lager komme, war Jozek nicht dabei. Keiner unserer Leute wußte, warum er ausgeblieben war. Waste sagte, er hätte ihn noch am selben Nachmittag mit den Russen auf der Laderampe gesehen. Wir hofften, daß er noch kommen würde. Wir saßen auf der Bank am Eingang und schauten zum Lagerzaun, um Jozek zu erblicken. Langsam wurde es dunkel und kühl. Ich kroch Mutter auf den Schoß und konnte nicht verstehen, warum mein Bruder nicht kommt. [...] Als ich aufwachte, war Jozeks Bett leer, auch jenes von Mutter war unberührt. (S. 106f.)

© 1999, Drava, Klagenfurt / Celovec.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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